Es ist Zeit, laut zu sein

Schreiben an die Verantwortlichen von Caritas, Katholischer Aktion und KirchenZeitung in Oberösterreich sowie an die Direktorin der Diakonie Österreich, 19. Jänner 2021

KIRCHENZEITUNG, KATHOLISCHE AKTION, CARITAS UND DIAKONIE KÖNNTEN ZUM GEMEINSAMEN AUFRUF/AUFSCHREI EINLADEN

Es ist nicht auszuhalten, dass sich die politisch Verantwortlichen in Österreich so gar nicht anrühren und bewegen lassen, Menschen auf der Flucht zu helfen, die auf griechischen (auch spanischen) Inseln unter katastrophalen Bedingungen leben. Ich bitte und dränge die katholische und die evangelische Kirche, über ihre entsprechenden Einrichtungen die Menschen dieses Landes einzuladen, einen Aufruf, einen Aufschrei zu unterzeichnen. Zumindest in Oberösterreich sollte das gelingen, warum aber nicht in ganz Österreich. Vorlage für einen Text könnte Bischof Glettlers Appell sein. Er ist auf der Homepage der Diözese Innsbruck (auch bei Kathpress) nachzulesen; ich stelle ihn (in der Fassung, wie er am 10. Jänner veröffentlicht worden ist) an den Schluss dieser Mail. Egal aber, mit welchem Text, mit welchen Formulierungen die Menschen eingeladen werden, die Regierung wachzurütteln und zu zeigen, dass viele das Anliegen unterstützen – tut etwas zum Druck-Verstärken!
Das wünsche ich mir von der Kirche. Nicht nur Livestream-Gottesdienste sondern Livestream-Aufstand! Alle Kanäle nutzen, um der Regierung klar zu machen, was sie tut, ist nicht christlich; Christen wollen Anderes!
Liebe Grüße,
Ernst

Brief an Alt-Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, 15. Jänner 2021

DIE TAUBHEIT DER REGIERUNG

Zum Skandal Lesbos und die Taubheit von Kurz und anderen Regierungsverantwortlichen: Wir müssen – Doro Blancke weist auch darauf hin – ÖVP-Mandataren, zu denen wir Zugang haben, mit unserer Abscheu gegen diese Politik und mit dem Appell von Bischof Glettler konfrontieren (siehe hier etwas weiter unten, Eintrag zum 10. Jänner). Ich hab zB an den früheren LH Dr. Josef Pühringer geschrieben:

„Ich kann nicht schweigen. Es ist ein Skandal, wie taub und herzlos Kurz und viele politische Verantwortliche in dieser Frage agieren. Du bist in der ÖVP gewiss immer noch eine wichtige Stimme und Du bist auch kirchlich beheimatet. Trag bitte Bischof Glettlers Appell hin zu den verstopften Ohren der türkisen Bundespolitiker. Solange in dieser Frage Österreich nicht menschlich und die sogenannten christlichen Politiker nicht christlich werden, wende ich mich mit Abscheu von diesen Politikern und der Partei ab. Ich fürchte, das Kalkül wird bei Kurz und denen, die wie er diese Politik zu verantworten haben, anders sein: Sie werden die sich aus christlichen oder humanitären Gründen aufregenden Stimmen abwägen gegen die Zustimmung aus dem FPÖ-Wählerkreis und aus sonst kalten Wählerteichen. Wenn es so ist, ist es christlich ein Riesenärgernis. Man trägt das Christliche wie eine Monstranz vor sich her, aber man handelt nicht danach. Wo und wie gibt es mehr WählerInnen zu gewinnen bzw. zu verlieren, ist ein Taktikspiel, das Leiden und Sterben von Menschen in Kauf nimmt.
Ich werde meine Stimme mit denen vieler weiter erheben, um dieser Politik eine Absage bei kommenden Wahlen zu erteilen!
Traurige, zornige Grüße,
Ernst“

Facebook-Posting zum Impfstreit, 1§. Jänner 2021

STIMMUNG, IN DER NIEMAND ETWAS RICHTIG MACHEN KANN

Wer von mir eine Mail bekommt, findet am Schluss der Mail derzeit ein Zitat der 1943 im KZ Auschwitz ermordeten holländischen Jüdin Etty Hillesum. Es lautet: „Viele Leute, die sich heutzutage über die Ungerechtigkeit entrüsten, sind nur deshalb entrüstet, weil diese Ungerechtigkeit ihnen widerfährt. Es ist daher keine echte, tief verwurzelte Entrüstung.“
An dieses Zitat erinnert mich der gegenwärtige Impf-Streit. Es ist eine Stimmung, in der niemand etwas richtig machen kann. Die Salzburger Sozialstadträtin wird zum Rücktritt aufgefordert, weil sie sich schon impfen hat lassen (sich vorgedrängt hat, lautet der Vorwurf). Teddy Podgorski kritisiert im Kommentar der Anderen im Standard Kardinal Schönborn, der auch schon geimpft ist (Eliten werden bevorzugt, lautet der Vorwurf). Und immer wieder höre ich in meinem Bekanntenkreis von ImpfskeptikerInnen: Sollen sich doch zuerst die PolitikerInnen impfen lassen …. Also, was jetzt.
Ich finde diese Empörung beobachtet und analysiert die Jüdin Etty Hillesum (im KZ Auschwitz 1943 ermordet) sehr treffend: „Viele Leute, die sich heutzutage über die Ungerechtigkeit entrüsten, sind nur deshalb entrüstet, weil diese Ungerechtigkeit ihnen widerfährt. Es ist daher keine echte, tief verwurzelte Entrüstung.“
Man müsste sich über die Ichsucht aufregen, die hinter diesen Kritiken steckt. Es geht nicht um Solidarität, man schimpft, weil man nicht zu den Ersten, zu den Bevorzugten gehört. Ich stelle dem nur gegenüber: Und wann kommen die Menschen in den armen Ländern dran? Wie wichtig ist uns deren Schicksal, wie wichtig ist uns, dass sie auch rasch geimpft werden? …

Dazu meine Antwort auf einen Kommentar eines Facebookers, der einigem zwar zustimmte, aber beharrte: Nicht pardoniert werden kann aber das Managementversagen. 10 Monate nachdem man die Impfung als Heilsbringer benannt hat, gibt es keine verständliche Strategie und keine Beschreibung des Gesamtkonzeptes samt Zeitplan. Geht gar nicht
„Ich bin nicht der Advokat der Regierung und sehe auch mir völlig unverständliche Mängel – vor allem die Ankünderei und folgende Zurücknahmen bzw. Änderungen. Was die Sache mit der Impfstrategie betrifft, ist es eine unlösbare Erwartung an die Regierung: niemand wusste, wann die Impfstoffe verfügbar sind und auch nicht welche in welchen Mengen. Zudem erleben wir in Österreich und auch anderswo ein Gerangel darum, wer darf/soll zuerst. Da kann ich leicht Fehler finden und zuordnen. Wenn ich höre/lese, dass Vorarlberg viel mehr Impfstoff pro Einwohner gesichert hat als zB OÖ, kann das in einem föderalen Staat wohl nicht der Regierung in die Schuhe geschoben werden. Es ist das Ergebnis von „erfolgreichem“ Egoismus. Bei aller Rangelei vergessen wir auf all die anderen. Wir – das sind nicht nur die Regierung, die Landesregierungen, die Sozialeinrichtungen … – das sind die allermeisten Menschen in den Wohlfahrtsländern.“

Und eine weitere von mir gepostete Ergänzung, die Bezug nimmt auf einen Beitrag in tagesschu.de:
Ich gebe eine deutsche Diskussion zu bedenken:
Gibt es ein „Impfchaos“ in Deutschland?
Von Sandra Stalinski, tagesschau.de
Kritik an einem ’schleppenden Impfbeginn‘ in Deutschland kommt aus unterschiedlichen Richtungen. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sprach im ARD-Morgenmagazin von „chaotischen Zuständen“. Deutschland stehe „viel schlechter da als andere Länder“. Es sei zu wenig Impfstoff bestellt worden und gebe „kaum vorbereitete Strategien mit den Bundesländern zusammen“. Ähnlich äußerten sich unter anderem Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitspolitiker anderer Parteien. Auch die Leopoldina-Forscherin Frauke Zipp hatte zuvor die Bestellstrategie der Bundesregierung scharf kritisiert. Sie sprach in einem Zeitungsinterview von „grobem Versagen der Verantwortlichen“ und fragte, warum man nicht im Sommer mehr Impfstoff auf Risiko bestellt habe. Gesundheitsminister Jens Spahn verteidigte das Vorgehen der Bundesregierung in einem Interview mit der „Rheinischen Post“: „Das Problem ist nicht die bestellte Menge. Wir haben genug bestellt. Das Problem ist die geringe Produktionskapazität zu Beginn – bei weltweit extrem hoher Nachfrage.‘ Dass es am Anfang knapp sein würde, sei klar gewesen. – Soweit der tagesschau.de Beitrag

„Wo man hinschaut und hinhört – es ist fast überall das Gleiche! Für mich ist erschreckend, was so gleich daherkommt, weil die Argumente aus dem fatalen Karostoff „wir zuerst“ und „die Politiker sind alle mies“ geschneidert sind. Man hätte halt drauflos bestellen sollen. Ich kann da nicht mit – drauflos heißt an jeglicher abgestimmter, weltumspannend halbwegs sozial gerechter Verteilung vorbei. Ich sage nicht, dass der Grund für das kritisierte Management der Regierung in diesem Solidaritätsbewusstsein liegt. Ich sage: die Kritik am Handeln der Regierung lässt völlig außer Acht, dass es viele gibt, die geduldig am Rand der Weltgemeinschaft zu warten haben! Hauptsache wir haben Impfstoff, wird quer durch Österreich, quer durch Europa und quer durch die USA gerufen, und ihr Schläfer an den Schalthebeln habt das verbockt! Wir sind eine Schlag-Gesellschaft: wo ein Fehler gerochen wird, wo ein Fehler passiert sein könnte, wird drauflos geschlagen. Denn es gilt, den ‚Feind‘ herzuklopfen. Das geht auch auf Kosten einer halbwegs versuchten und so oft eingemahnten Solidarität!“

Facebook-Posting am 10. Jänner 2021 zur österreichischen Politik der Nicht-Aufnahme von Flüchtlingen aus Lesbos

ICH SCHEUE IMMER, …

…  in der Öffentlichkeit und auf facebook kräftig zu zürnen. Aber die Nicht-Flüchtlingspolitik unserer Regierung, das Ignorieren der Pflicht, Menschen in Not zu helfen, sind ein unerträglicher Skandal, der nicht zornig genug beantwortet werden kann. Der Kanzler, der Innenminister und andere Regierungsmitglieder müssen endlich und rasch menschlich handeln. Es gibt nichts, was noch ein Zaudern rechtfertigt. Und für christliche Politiker: Es gibt eine Zeit zum Beten – nicht unbedingt inszeniert – und eine Zeit zum Helfen. Diese Zeit ist seit Wochen da! Es ist zum Schämen, wie schwerhörig und hartherzig die verantwortlichen Politiker sind!

FLAMMENDER APPELL VON BISCHOF HERMANN GLETTLER, Innsbruck 

Die Zeit des geduldigen Wartens geht zu Ende
Sonntag, 10. Jänner 2021, 17:00

Heute geht mit dem Fest „Taufe des Herrn“ die Weihnachtszeit zu Ende. Erschüttert von den aktuellsten Berichten und Fotos aus dem Flüchtlingslager auf Lesbos habe ich heute aufgehört, an ein Weihnachtswunder der österreichischen Bundesregierung in der Causa Lesbos zu warten und auf ein solches zu hoffen. Jetzt braucht es ein entschlossenes Handeln. Alles andere verkommt zu einem unverantwortlichen Alibi. Ich wende mich mit diesem Statement an alle politischen Verantwortungsträger/innen, Hilfsorganisationen und Menschen guten Willens – an alle, die bereit sind, ihrem Gewissen zu und einer Ethik zu folgen, die einer Not-wendenden Verantwortung entspricht.
Die neuesten Fotos aus dem Notlager Kara Tepe verbieten allen, die sich eine Restmenge an Empathie bewahrt haben, ein politisches Taktieren. Eine Woche mit anhaltenden Regenfällen hat auf der Insel begonnen. Die Temperaturen während der Nacht werden laut Prognose in den kommenden Tagen auf 5° fallen. Und in der 16-Tage Prognose bleiben sie auf diesem erschreckenden Tiefstand. Die Rede von einer „Hilfe vor Ort“ als Ersatz für eine Evakuierung des Lagers ist angesichts dieser winterlichen Temperaturen nur mehr zynisch.
Wo ist denn die Hilfe vor Ort, wenn auf den Wegen zwischen den Zelten das Wasser steht, die Feuchtigkeit und Kälte nicht mehr aus den Notzelten zu entfernen ist und schlimmste Erkrankungen zu befürchten sind? Wo ist denn die Hilfe vor Ort, wenn sich über 7000 Menschen immer noch mit einem Kübel Wasser kalt duschen müssen, weil die 37 (!) Warmwasser-Duschen nicht ganz ausreichen? Wo ist denn die Hilfe vor Ort, wenn eine magere Mahlzeit pro Tag (an einigen Tagen ist diese auch noch kalt!) den Hunger der Menschen nicht wirklich stillen kann?
Es ist schon längst nicht mehr verständlich, dass unzählige Österreicherinnen und Österreicher, politische Gemeinden, Pfarren und kirchliche Gemeinschaften, Solidaritätsgruppen und unzählige Engagierte sich der politischen Haltung des Bundeskanzlers zu beugen haben.
Ich wiederhole eindringlich meinen Appell: 100 Familien jetzt aufnehmen – ohne Wenn und Aber! Über alle Parteigrenzen hinweg sollte Österreich den längst fälligen Beitrag zur Beendigung der elendigen Situation auf Lesbos leisten. Jedes politische Kalkül auf Kosten dramatisch notleidender Menschen ist ein Hohn jeder christlich sozialen Politik. Es geht nicht um diese oder jene Position in der Debatte um mehr oder weniger Flüchtlinge, die aufzunehmen sind, sondern um einen humanitären Anstand. Was gehört sich und was gehört sich nicht. Der humanitäre Anstand verpflichtet dazu, in einer akuten Notlage rasch und effektiv zu helfen. Diesen humanitären Anstand hat Österreich in vielen Katastrophenfällen seit dem Krieg immer gezeigt. Auch aktuell geschieht dies Gott sei Dank in Kroatien. Es geht also nicht um eine Asyldebatte, sondern um die Notwendigkeit einer sofortigen „humanitären Aufnahme“ von Menschen in Not.
Die Aufnahme von 100 Familien (Man beachte: mindestens 250 Familien im Lager haben einen positiven Asylbescheid!) wäre ein deutliches Zeichen, dass ganz Europa handeln muss. Lesbos und die anderen griechischen Inseln, die eine ähnliche Misere zeigen, sind mittlerweile Synonym für das Versagen einer gemeinsamen europäischen Flüchtlingspolitik. Das ist nicht mehr zu entschuldigen. Es geht um das Schicksal Tausender Menschen. Sie dürfen nicht der Spielball einer europäischen Abschreckungspolitik bleiben. Nach den positiv abgeschlossenen Asylverfahren müssen die Leute fair in Europa verteilt werden.
Das wiederholte Argument von den zu fürchtenden Pull-Faktoren verkommt zu einem unerträglichen Gerede, wenn man die Situation vor Ort auch nur annähernd kennt und ernstnimmt. Mein dreitägiger Besuch auf der Insel hat in mir die Überzeugung reifen lassen: Wir müssen entschlossen die Fluchtursachen bekämpfen und nicht die Flüchtenden! Ja, alle Mitgliedsstaaten der EU sind zum Handeln aufgefordert! Der humanitäre Schandfleck Lesbos ist für unser gemeinsames Europa, das einer Menschenrechts- und eine Flüchtlingskonvention verpflichtet ist, einfach nicht zu tolerieren.
Worauf warten? Bis es Erfrorene in den Lagern gibt? Bis die Zustimmungsquote für eine längst fällige Entscheidung den Bundeskanzler überzeugt? Unzählige Einzelpersonen und Aktivgruppen wollen sich nicht mehr damit abfinden. Die Zeit des geduldigen Wartens geht zu Ende – weil es um konkrete Menschen mit ihren unerträglichen Schicksalen geht!
Mit Gebet und energischen Segenswünschen für alle Beteiligten!
Bischof +Hermann Glettler

Facebook-Posting am 8. Jänner 2021 zur Erstürmung des Kapitols in Washington am 6. Jänner

RÄUBERLEITER IN DIE KAPITOLE DIESER WELT

Was vorgestern in Washington geschehen ist, lässt uns einen Blick in eine drohende Zukunft auch in den anderen „entwickelten“ Demokratien werfen: Wenn ich seit Jahren besorgt und dann und wann auch zornig auf die Stammtisch- und social-media-Diskussionen reagiere, dann hängt es mit meiner Sorge zusammen, dass der Hass, die Gehässigkeit, das Heruntermachen anderer, die eigene Zweifelbefreitheit und der Glaube an Verschwörungstheorien zunehmen. Ich kenne etliche friedliche/gutmütige Menschen, die dieser gegenwärtigen Sammlung der Gegner der als Diktaturen oder Korruptionshaufen verschrienen „Regime“ positiv gegenüberstehen. Die etwa selber zB in Linz mitdemonstrieren. All mein Reden dagegen, meine Hinweise, dass dahinter rechtsradikale Strippenzieher stehen oder Chaoten, die aus Lust am Chaos das Feuer anfachen, hilft nichts. Wir in Europa, so fürchte ich, sind auf einem Marsch nach Washington. Viele Facebook-Hass-Spreader sorgen für ausreichend Marschproviant. Und im Hintergrund muss wohl ein rechtsverseuchter Teil der Exekutive dem gegenüber Sympathien oder zumindest Gleichgültigkeit haben. Anders ist nicht erklärbar, dass die gewaltbereiten Demonstranten den Kongress stürmen konnten. Auch bei uns nehme ich tatenloses Sich-nicht-vom-Fleck-Rühren der Polizei wahr, wenn etwa Journalisten bei Demos der Querulanten (die sich mit dem an sich positiven Wort „Querdenker“ schmücken) attackiert und bedroht werden.
Ich glaube, die Gefahr, dass die Demokratie schwer verletzt wird, wächst auch hierzulande. Nicht, weil es so viele angriffsbereite Radikale gäbe, sondern weil überaus viele Enttäuschte oder An-den-Rand-Gedrückte oder auch nur Grantler das böse Spiel der „Querdenker“ und anderer Geister nicht durchschauen. Sie laufen mit ihnen mit, applaudieren ihnen und machen so die Räuberleiter ins Kapitol. Wenn die, die diese Sorge annähernd teilen, nicht dauernd dagegen aufstehen, werden wir noch viele Erstürmungen demokratischer Einrichtungen und Symbole erleben.
Die Räuberleiter wird in Österreich schon herangeschleppt, wie zB ein Bericht von heute zeigt, der seit gestern Nachmittag online zu lesen ist:
Nach der Gewaltnacht und dem Sturm auf das Capitol in den USA bereiten Wortmeldungen von Österreichern Sorgen. Sie träumen von ähnlichen Szenen. „Machen wir das gleiche“ ist von einem Mann, der sich gerne mit FPÖ-Politikern auf seinem Profil zeigt und FPÖ-Logos in seine Profilbilder einbaut, zu lesen – auf der Seite einer FPÖ-Politikerin aus Sierning (Bezirk Steyr-Land) unter einem Posting zur Gewaltnacht in den USA. … Offenbar kein Einzelfall, wie die Plattform „FPÖ Fails“ mitteilt. Sie schreibt von „Mordfantasien gegen die Bundesregierung.“ … „Hängt sie“, „Sprengts die Schweine in die Luft“ und „Stürmen wir das Parlament und jagen die Regierung aus unseren Österreich“ werden da als Beispiel-Kommentare eingeblendet. … Tatsächlich scheinen viele vor allem Rechte von Szenen wie in Washington auch in Österreich zu träumen.
Ich rufe dazu auf, in der Kritik sachlich zu bleiben und damit keinen Krieg gegen Menschen zu führen. Das wäre ein Neujahrs-Vorsatz für facebook-Postings!

Facebook-Posting zum Impf-Egoismus, 8. Jänner 2021

IMPFMORAL?

Ich bin ein Impfbefürworter und will mich gegen Covid 19 impfen lassen. ABER: Ich finde es unmoralisch, dass wir in den reichen Ländern ausschließlich auf uns schauen und für die armen Länder gilt: bitte warten. Wir haben eine WHO und reden gern von internationaler Solidarität. Das wäre eine konkrete Umsetzung: alle betroffenen Länder dieser Welt werden gleich berücksichtigt. Ich halte es für unmoralisch, mich als Mitglied eines privilegierten Landes impfen zu lassen, bevor in dieser Angelegenheit nicht eine weltweite Solidarität mit den Armen gelebt wird.

Brief an Bundeskanzler Kurz am 23. Dezember 2020
(E-Mail: kabhbk@bka.gv.at) geschrieben.

IN DER HERBERGE IST PLATZ!

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!
Ich bin erschüttert über Ihre und Ihrer türkisen Regierungsmitglieder Flüchtlingspolitik, die auch von den Grünen geduldet werden muss. Sie betonen gerne ihre christliche Verwurzelung. In einem ORF-Interview haben Sie ein Gespräch mit einem Priester erwähnt, dem Sie ihre Situation dargestellt hätten, einerseits – so Ihre Schilderung – sei da der menschliche Reflex, jemandem helfen zu wollen, und gleichzeitig würden Sie, wenn Sie aufs große Ganze schauen, ganz viel Schlechtes damit auslösen. Ich muss aufs große Ganze schauen, dachten wohl auch der Priester und der Levit, die am Mann, der unter die Räuber fiel, vorbeigegangen sind. Das große Ganze ist eine blasphemische Umschreibung von Egoismus. Ihr großes Ganzes ist der Egoismus der Gesellschaft, besser einer Gesellschaft, von der Sie vermuten, dass sie nicht teilen will. Es ist der gleiche Egoismus, der vor mehr als 2000 Jahren den werdenden Eltern Maria und Josef die Türen vor ihrer Nase zugeschlagen hat. Können Sie mit diesem Denken im Kopf Weihnachten als Fest des Fühlens im Herzen gut feiern?Nennen Sie beim Namen, was Ihre Flüchtlingspolitik ist: Schutz einer egoistischen Wohlstandsgesellschaft! Und berufen Sie sich nicht auf christliche Werte: Das göttliche große Ganze hat Jesus in der Bergpredigt, in den Seligpreisungen, vermittelt. Unter welcher Seligpreisung würden Sie ihre Flüchtlingspolitik einordnen? Wenn Sie wieder einmal ans große Ganze denken, dann denken Sie an die Bergpredigt. Nennen Sie wirklich groß und ganz, was groß und ganz ist: die Nächstenliebe. Und nennen Sie klein und partikular, was klein ist und nur einen Teil des Ganzen im Blick hat: die verlorene Solidarität. Sie können dem großen Ganzen, einer solidarischen Gesellschaft, zuarbeiten: Sorgen Sie dafür, dass Österreich ein paar hundert Flüchtlinge aus den griechischen Lagern aufnimmt. Viele Bürgerinnen und Bürger sind bereit, in Solidarität mitzuhelfen bei den Aufgaben von Betreuung und Integration.

Besorgte Grüße,
Ernst Gansinger
KirchenZeitungsredakteur in Pension

Facebook-Eintrag vom 17. November 2020
Selbstdarstellung statt demokratischer Kultur

Ich zögerte, diesen Kommentar auf FB zu stellen, weil ich FB vielfach (wenn nicht als Ort des Austausches von Belanglosigkeiten) als Ort der Befeuerung von Hass, Zorn und Menschenverachtung erkenne, nicht als Ort der Diskussion und einer die anderen nicht heruntermachenden Auseinandersetzung. Ich will kritisieren, diskutieren, nicht niedermachen. Und schon gar nicht will ich, dass die Kanoniere des Facebooks ihre Kanonen mit meinen Sätzen laden. – Dennoch stelle ich nun den Kommentar auf Facebook, weil ich merke, dass viele Freunde wie ich zornig über das Geschehen sind. Und ich bitte alle, die sich an der Debatte beteiligen um einen guten Ton:

Heute ist der erste Tag des strengen Lockdowns und der mehrfachhundertste des angestrengten Versuchs von Bundeskanzler Kurz, sich als den Einzigen darzustellen. Ich sag nicht, dass die Lockdown-Maßnahmen keinen Sinn haben. Aber Kurz benutzt selbst die Pandemie als Bühne der Selbstdarstellung. Ich sehe es als unmoralisches Regieren, wenn in einer verdammt schwierigen Situation jemand sich vom Ziel leitet lässt zu glänzen, statt vom Ziel, miteinander möglichst gut und schnell die Situation zu bewältigen. Die Massentestungen, die Kurz jetzt angekündigt hat, sind das jüngste Beispiel: er will uns damit ein Weihnachten wie früher schenken. So ein Edler! Er hat damit nicht nur wieder einmal besonders Anschober übergangen/überrascht, sondern sich auch offensichtlich nicht mit Menschen beraten, die etwas von der Sache verstehen. In der Slowakei – in diesem Fall sein Vorbild – waren die Massentestungen mit dem freiwilligen Zwang verbunden, dass in Quarantäne muss, wer sich nicht testen lässt. Nein, Zwang, sagt Kurz, sei nicht angedacht. Wenn sich aber, weil kein Druck besteht, nicht die meisten testen lassen, hat die Testerei auch wenig Sinn. Außer den, dass uns der Weihnachtsmann Kurz Weihnachten wie früher angekündigt hat.

Um es aber klar zu sagen: Ich bin nicht gegen Massentestungen, kann mir schon vorstellen, dass sie, wenn wirklich Massen getestet werden, Sinn machen. Doch ich erwarte, dass das nicht als kurzlich hundertster Schnellschuss abgefeuert wird, sondern dass vorher mit den Regierungspartnern, mit den Parlamentsfraktionen und vor allem breit mit den ExpertInnen besprochen wird: Wie groß muss die Teilnahme sein, damit die Tests sinnvoll sind? Wie kann eine so große Teilnahme erreicht werden, ohne dass Zwang ausgeübt wird? Oder, wie groß muss der Sinn sein, dass auch Zwang ein erlaubtes Mittel ist?

Eine Idee darf man schon haben, aber sie gleich als kommendes Ereignis zu verkünden, ist die Methode nicht einmal der Engel des Weihnachtsgeschehens. Sie verkünden erst, nachdem das Geschehen geschehen war. Die Kurzen Verkündigungen sind Verkurzungen der demokratischen Spielregeln.
Ernst Gansinger

Facebook-Eintrag vom 11. November 2020
Martinsfest

Heute feiern wir Martin. Nur zwei Gedanken dazu.
Wir feiern etwas, was wir lieblich verzwecken (Martinsfest, Lichterfest, Martinigansl), aber was vielen Feiernden in seiner Grundaussage eigentlich wurscht ist. Wir feiern Martin und schotten uns gleichzeitig gegen ihn ab, gegen sein Beispiel, wie es die Legende überliefert:
Er teilte mit Frierenden den Mantel. Wir teilen nicht einmal mehr unsere Aufmerksamkeit mit den Frierenden zB auf Samos. Er trat für Schwächere ein, für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, nicht nur nach Samariter-Art, sondern auch protestierend. Er nahm für diesen Protest eine beschwerliche Nacht im Freien auf sich. Unsere Gesellschaft weiß oft nicht einmal, wer die Schwächeren sind, wil es gar nicht wissen und weiß dann aber, dass diese selber schuld an ihrer Lage sind. Falls auch noch jemand auf die Idee kommt, für eine soziale Gesellschaft und gegen die Ausgrenzung zu protestieren, wehren dies viele als ungehörig ab … Wir ziehen mit Licht tragenden Kindern, singen und essen Gansl. Aber wir tragen selber kein Licht, lassen das Lied der Solidarität nicht in uns hinein sickern und kümmern uns nicht, ob alle etwas zu essen haben.
Ernst Gansinger

Facebook-Eintrag vom 8. November 2020
Ich fühl mich wohler

Ich fühl mich wohler
bei den Leisen als bei den Lauten
bei den Zweifelnden als bei jenen, die felsenfest wissen
bei denen, die sich überzeugen wollen, als bei den Überzeugten
bei denen, die Sachkritik üben als bei denen, die Menschen verdammen

Ich mag
Diskussion, nicht sture Behauptung
den Widerspruch, nicht die Ausgrenzung
die tapfer Ringenden, nicht die sich auf Seilschaften Verlassenden
die Verlierer oft mehr als die Sieger
jene, die Erklärungen suchen, nicht die, die für alles Erklärungen haben
Ich wünsche mir
Verstehen statt Dagegentreten
Hinschauen statt Wegschauen
Meinung statt Deinung
Mund aufmachen statt Ohren zuhalten
Gemeinschaft, nicht Feindschaft

Ich fühl mich wohler
in Gemeinschaft als in Gesellschaft
bei den Schwachen als bei den Starken
im Raum des Zuhörens als im Raum des Hinsagens
wenn Menschen beherzigen statt behaupten
und sich eher etwas gefallen lassen, als sich zu gefallen.
Ernst Gansinger

Facebook-Eintrag vom 7. November
Schuld!

Da werde ich mir jetzt Widerspruch einhandeln, aber mir liegt das Thema seit Jahren am Herzen oder im Magen: dass wir eine Gesellschaft der Schuldsuchenden sind. Und der aktuelle Anlass verleitet mich, das auch zu posten.

Um es gelinde auszudrücken: Mir ist es Nehammer nicht, vor allem seine Asylpolitik ist kalt und parteitaktisches Kalkül Aber ich mag auch nicht den kalten Reflex, der sofort Schuldige braucht, wenn schwere Fehler offenkundig werden wie, der Terrorakt in Wien hätte verhindert werden können. Für die Verhinderbarkeit spricht vieles. Aber eine Gesellschaft, die rasch nach einem schlimmen Ereignis zu wissen meint, wer schuldig ist, hat wenig Gedenkraum für unterschiedliche, verschiedene Rollen im Ursachen-Folge-Gefüge. Wir gehen schnell auf die Jagd nach Schuldigen und zerren sie auf den Marktplatz der Öffentlichkeit, um sie mit Worten zu steinigen. So schaukeln wir eine Politik des Anschuldigens und Abstreitens hoch. So machen wir die Tür zur konsequenten Aufklärung samt breit getragenen Strategien zur Verbesserung immer weiter zu. „Du bist schuld, du allein bist verantwortlich“, zeigt immer auf andere, immer von mir weg. Gerade in der Politik folgt dem Schuldruf sehr wahrscheinlich die Zurückweisung, der Ruf kommt als Echo zurück. „Schuld!“ hallt es bald im ganzen Land.

Schreiben an Innenminister Nehammer (und etwas abgeändert an Außenminister Schallenberg), 29. September
Anfrage eines aufgebrachten Bürgers an den Innenminister!
Ich bin sprachlos über den Inhalt des Berichts im heutigen Mittagsjournal (und anderer Medien) und erwarte, dass Sie, Herr Innenminister eine „Sofort“-Sprache gegenüber der österreichischen Bevölkerung finden, dieses Übel aufzuklären. Sofort waren die Kameras dabei, als Sie Mitte September höchstpersönlich einen Hilfstransport nach Athen brachten. Wo sind Ihre „Sofort“-Aktionen jetzt? Was verstehen Sie unter „sofort“ in Zusammenhang von Soforthilfe? Da frage ich noch gar nicht, was die türkisen Regierungsmitglieder – und damit auch Sie – unter „Hilfe“ verstehen, wenn sie kategorisch eine Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Lager Moria in Österreich ablehnen.
Die Meldung im Mittagsjournal:
Österreichische Hilfslieferung noch nicht auf Lesbos
Zwar hat Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) vor knapp zwei Wochen die Hilfslieferungen für Geflüchtete aus dem abgebrannten Camp Moria auf Lesbos persönlich in die griechische Hauptstadt Athen begleitet. Auf der Insel sind die 55 Tonnen Hilfsgüter, darunter 400 Familienzelte, aber noch nicht angekommen, berichtete das Ö1-Mittagsjournal heute. Das Rote Kreuz kritisierte indes die prekären Zustände in dem neu aufgebauten Lager auf der Ägäis-Insel.
Als eines der ersten Länder sagte Österreich nach dem verheerenden Brand in Moria, durch den rund 13.000 Menschen temporär obdachlos wurden, Hilfe zu. Die österreichischen Güter seien ebenso wie Hilfslieferungen anderer Staaten bis dato eingelagert, berichtete die österreichische Botschafterin in Athen, Hermine Poppeller, gegenüber Ö1.
Ernst Gansinger, fassungslos über diese Politik!

Mein Facebook-Eintrag vom 21. September 2020
Ich kann nicht mehr schweigen, die Not der Menschen auf der Flucht berührt mich. Dringend braucht es eine Politik, die empathisch wahrnimmt und reagiert auf die Tragödien, in die Krieg und Terror, Katastrophen und weltweit versagte Solidarität Menschen treiben. Ich verstehe schon, dass wir nicht aller armen Welt zuwinken können: komm! Aber jenen muss Europa (und damit auch Österreich) die Hand reichen, die unter miserablen Bedingungen auf der Flucht feststecken oder in großer Gefahr sind, noch dazu, wenn sie krank oder Kinder oder sonst hilfsbedürftig sind. So denke ich aus meinem Verständnis von „christlich“ oder „christlich-sozial“. Das ist agieren als Feuerwehr, aber nicht vorgehen gegen die Brandstifter sowie helfen vor Ort. Das wäre natürlich überdringlich notwendig! Man hört das Bekenntnis zu dieser Überdringlichkeit auch immer wieder aus dem Mund verantwortlicher Politiker. Aber seit Jahrzehnten sind dies kaum mehr als Wortspenden, nie folgen ernsthafte Konsequenzen. Dass es das bessere Konzept ist, vor Ort zu helfen, wird kaum jemand bestreiten. Aber dieses Konzept schafft die Pflicht, auch Feuerwehr zu sein, nicht ab. Wir (Österreich, Europa, die reichen Länder) müssen ohne lange und Tod bringende Diskussionen denen helfen, die auf der Flucht sind. Zum Helfen vor Ort hat Österreich schon unendlich viel Zeit verschwendet. Allein zum Thema Anteil der Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit am BIP ist seit Jahrzehnten Österreich schändlich viel schuldig geblieben.
Zum Christlichen (ich bin ja bekennender Christ und bekennendes Mitglied der katholischen Kirche): Ich kann nicht glaubwürdig Weihnachten, Ostern und Pfingsten feiern und mich vom Weg Jesu berühren lassen, ohne diese Rührung auf meine Beziehung zu den Mitmenschen heute zu übertragen: Viele von ihnen finden wie die hl. Familie keine Herberge, viele sind wie Josef, Maria und Jesus auf der Flucht, sind wie sie gezwungen, in fremdes Land zu gehen, um zu überleben. Viele von ihnen werden verfolgt und wie Jesus am Ölberg unbarmherzig allein gelassen. Viele von ihnen sorgen für ein Sprachengewirr, aber die Sprache der Versöhnung und Liebe verstehen sie, wie einst die vielen Menschen anderer Sprache, die zu Pfingsten die Apostel gehört und verstanden haben. Das alles loben Christen ganz selbstverständlich, denken aber nicht daran, dass das für heute auch Konsequenzen hätte! Ich bin insgesamt also auch enttäuscht von der Laschheit vieler KirchgeherInnen und Christen.

Mein Facebook-Eintrag vom 11. September 2020
„Auch Gleichgültigkeit ist eine Aggressionsform“, sagt Eugen Drewermann im Gespräch mit Jörg Dieter Kogel, das im Herder-Buch „Gestalten des Bösen“ in schriftlicher Form zugängig gemacht worden ist. Es ist 2018 erschienen. In dem Buch geht es um den „Teufel – ein theologisches Relikt“, das insgesamt empfehlenswert ist. Ich greife daraus eine – nicht so sehr theologische, denn humanitäre – Passage auf und lege sie allen als Denkanstoß ans Herz, die meinen in der Asylfrage, insbesondere nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria, hart sein zu müssen. – Drewermann führt, unmittelbar bevor er den Satz sagt „Auch Gleichgültigkeit ist eine Aggressionsform“, zum Thema ‚Umgang mit Flüchtlingen‘ (fernhalten von Europa) aus: „Wir sind gerade dabei, mit Diktaturen zu verhandeln, dass am besten doch die Leute bleiben, wo sie sind; auf gar keinen Fall dürfen sie ‚Schleusern‘ in die Hände fallen; Schleuser sind Verbrecher. Aber was sind dann wir, wenn wir Flüchtlinge zu Tausenden im Mittelmeer ertrinken lassen?“
Noch einmal das Eingangszitat von Drewermann: „Auch Gleichgültigkeit ist eine Aggressionsform!“
Drewermann (wieder aus „Gestalten des Bösen“). Und denken wir bei Drewermanns Mahnung an die Haltung der Europäer, besonders auch des österreichischen türkisen Regierungsteams, in Bezug auf Asylsuchende, aktuell die Flüchtlige in Moria:
„Das Brutale, alltäglich Böse liegt darin, dass wir mit Menschen umgehen wie mit Zahlenspielen, wie mit Nummern, nicht wie mit Menschen, wie mit Rechenoperationen, nicht wie mit Schicksalen. …“

Mein Facebook-Eintrag vom 10. September 2020
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Mein Facebook-Eintrag vom 9. September 2020
Skandal, was türkis sagt und was es verweigert: Aufnahme in Österreich von Geflüchteten, die in Moria unter schlimmsten Umständen leben. Aber noch schlimmer, wie der Innenminister das argumentiert: er will keine gewaltbereiten Flüchtlinge nach Österreich lassen. – Als ob dort viele Asylsuchende gewaltbereit wären. – Es ist höchste Zeit, dass die Menschen die christlich ticken, endlich den Türkisen zu verstehen geben: euer Zynismus reicht uns, von uns bekommt ihr keine Stimme mehr!

Mein Facebook-Eintrag vom 24. August 2018
Ich schreibe ganz selten auf Facebook. Doch nun muss ich mich zu Wort melden: ich bin zutiefst erschüttert und schäme mich für die Aussagen und die Politik unserer politischen Verantwortlichen, mit denen sie gegen Hilfe für Flüchtlinge mobil machen. Keine Schiffe in EU-Ländern anlegen lassen zu wollen, ist der Gipfel dieser zutiefst unchristlichen und unmenschlichen Politik. Ich rufe alle, die sich als Humanisten oder/und Christen empfinden, auf, gegen diesen Wahnsinn auf die Barrikaden zu steigen. Meine Stimme werden diese angeblich christlichen Politiker/innen sicher nicht (mehr) bekommen, solange sie nicht zurückkehren zu einer christlichen Politik!!! Haben wir denn eine andere Möglichkeit, gegen diesen Wahnsinn aufzustehen, als von unserer Weigerung zu erzählen, Euch, ihr Politiker/innen der Kälte gegen Menschen, zu wählen? Und eine Ergänzung vom 25. August 2018 Mich treibt die Frage um, was dagegen zu tun ist. – Parteien können da zu wenig ausrichten, fürchte ich. Ich versuche seit einigen Jahren, in verschiedenen Stammtischen die Stimme zu erheben. Jede/r von uns müsste an den vielen kleinen Orten, den Mut zur Gegenrede aufbringen. Das Tragische ist, viele ticken, wie es die Politik umsetzt. Ob’s die Kirche sein kann, ohne nicht-kirchlich Engagierte und ob der Stimmung im Land Entsetzte draußen zu lassen? Zumindest wünsche ich mir eine viel lautere Kirche. Nicht nur oben müsste sie laut sein, nicht nur der Kardinal und der Caritas-Präsident, nicht nur die Bischöfe und die anderen diözesanen Verantwortlichen müssten endlich dauerschreien. Jeden Pfarrgemeinderat, jede Gottesdienstgemeinde müsste es umtreiben und unruhig sein lassen, jede Bibelrunde, jeden Gebetskreis. Wenn der Gottesdienst mit dem Schuldbekenntnis beginnt, müssten wir immer wieder ein Schuldbekenntnis gegenüber den Menschen, die Hilfe suchen, sprechen. Wenn wir im Kyrie das Erbarmen erbitten, müssten wir bekennen, dass wir eine erbärmliche Gleichgültigkeit zulassen. Wenn wir Fürbitten formulieren, müssten wir nicht Gott meinen, er soll bitte was richten, sondern uns in die Pflicht nehmen