Weihnachten 2024
Frohe Weihnachten!
Diesen Wunsch hört man jetzt oft. Ich stocke aber, “frohe Weihnachten“ zu wünschen. Denn ich weiß von vielen, die jetzt nicht froh sind, die auch mein Wunsch nicht froh machen kann. – Menschen in Sorge, Angst und Gefahr. Menschen mit Schmerzen und Krankheit, mit schwacher Hoffnung, Menschen, die über einen Verlust nicht hinwegkommen, …. Ihnen wünschte ich, dass auch sie froh sein könnten, aber der Wunsch findet in ihrem Herzen kaum Platz.
So nehme ich Wunsch-Zuflucht in viel deutlicherer religiöser Sprache:
Gesegnete Weihnachten!
In Freude und Hochstimmung, in großer Hoffnung wie in abgestorbener Hoffnung, in aller Trauer und Not – für einen Segenswunsch ist immer Platz. Ein Segen ist ein Begleiter, kein Wandler. Er geht in schwierigen, in sich bessernden und in guten Zeiten mit. Er schweigt eher, als dass er davon reden würde, dass alles gut wird, gut sein kann und dass froh zu sein, angesagt wäre. Der Segen geht mit wie jener Mensch immer mitgeht, mit uns allen über den Tod hinaus mitgeht, dessen Menschwerdung Christen zu Weihnachten feiern.
Frohsein und Fröhlichkeit dringen nach draußen. Freude, stille Freude möge von Weihnachten her nach drinnen sickern. Diesem Wunsch hänge ich unten eine Weihnachtmeditation an. Ein bisschen Christentum halten hoffentlich auch meine Freunde aus, die nicht (mehr) glauben können oder sich in einem anderen Glauben beheimatet wissen.
Weihnachtsmeditation 2024
Ein paar Zeilen aus dem Weihnachtsevangelium (Luk 2,8-10):
In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll …
Unsere Zeit lagert auf dem Feld der Hoffnungsarmut und Unsicherheit, vielfach auf dem Feld großer Gefahr und Not. Als Hirten der Angst und Verunsicherung haben wir unruhige Nächte und ruhelose Tage.
Was aber, wenn ein Engel kommt und sagt: „Fürchtet euch nicht“?
Was ist denn meine Angst? Was fürchte ich? Für wen fürchte ich? Für mich, für mir nahe Menschen, für die Menschen unserer Zeit? Fürchte ich auch für Fremde? Für Natur und Umwelt?
Engel sag‘, wie geht das bei all den trüben Aussichten, mich nicht zu fürchten? Wie kann ich gegen Unsicherheit und Gefahr die Angst abschütteln?
Der Engel spricht, er wisse von einer großen Freude. Eine Freude, die die Hoffnungsarmut vertreibt.
Was würde mir Freude machen? Was Hoffnung geben? – Dazu fiele mir viel ein, auch Unerreichbares, Undenkbares. Ich will angenommen, erkannt, aufgehoben sein.
Der Engel aber sagt Unglaubliches. Er redet von Rettung. Ein Begnadeter wird meinen und unser aller Weg mitgehen, steht zu mir und allen, ohne Wenn und Aber, lebt Treue und Liebe bedingungslos – ohne Bedingungen.
Weihnachten macht Freude, wenn wir uns das alles sagen lassen.
Der Engel sagt noch etwas: Die Freude soll allen zuteil werden: „Soll!“, das ist ein Auftrag. Wo immer wir können, sollen wir an der Freude teilhaben lassen
Auch wenn Du Dich vielleicht schwer damit tust, das zu glauben: Freude sollst Du spüren. Gerade Du! Gerade in dieser Zeit!
Ernst, Weihnachten 2024
Ernster Adventkalender 2024
1. Türchen, 1. Adventsonntag, 1. Dezember
Unterschied. „O Heiland reiß die Himmel auf!“ … Die Erde haben wir schon aufgerissen.
2. Türchen, 2. Dezember
Warten. „Worauf wartest du?“ – „Dass das Warten ein Ende hat.“
3. Türchen, 3. Dezember
Waage. Auf der Sprache-Waage mühen sich die feinen Körner des Differenzierens oft vergeblich ab, ins Gewicht zu fallen. Die groben Klötze des Verallgemeinerns müssen sich gar nicht anstrengen.
4. Türchen, 4. Dezember, hl. Barbara-
Die Fremde. „Barbara“ bedeutet übersetzt „die Fremde“! Das wär‘ doch was, würde das Barbara-Brauchtum und ihre Verehrung nicht nur aus Legenden über sie gespeist sein, sondern auch mit ihrem Namen zu tun haben.
5. Türchen, 5. Dezember
Empörung. Rundum-Empörung ist der Treibstoff der Krampusse unserer Gesellschaft – sehr zum Schaden des Klimas.
6. Türchen, 6. Dezember, Nikolo-Tag
Schenken. Leih mir nicht Dein Ohr, schenk mir Deine Aufmerksamkeit. Geliehenes muss ich wieder zurückgeben.
7. Türchen, 7. Dezember
Reden und schweigen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Aber: Anschweigen ist Blei, Zuhören ist Platin.
8. Türchen, 8. Dezember, Marien-Feiertag
Geduld. Wie oft rühmen Menschen die Geduld anderer, ohne sich davon anstecken zu lassen.
9. Türchen, 9. Dezember
Vergeben. Was vergeben wir uns, wenn wir vergeben?
10. Türchen, 10. Dezember, Tag der Menschenrechte
Recht. Mir ist alles recht, sagt einer, und meint, es sei ihm egal. – Weit hat es das Recht gebracht!
11. Türchen, 11. Dezember
Verstanden sein. Verstanden wird man nicht mit dem Verstand.
12. Türchen, 12. Dezember
Hoffnung. Ein guter Dung für Hoffnung ist Gemeinschaft.
13. Türchen, 13. Dezember, hl. Luzia (die Leuchtende)
Licht. Gute Worte sind Lichtträger in einer feindselig eingedunkelten Gesellschaft.
14. Türchen, 14.Dezember
Bitte und Dank. Der Wunsch ist der Vater der Bitte; dem Dank fehlen oft die Eltern.
15. Türchen, 15. Dezember, 3. Adventsonntag, kirchlich „Sonntag Gaudete“ (Freut euch!)
Freude. Freude kann nach den Sternen und darüber greifen.
16. Türchen, 16. Dezember
Stimmen. Verstimmte Klaviere können gestimmt werden. Und eine verstimmte Gesellschaft?
17. Türchen, 17. Dezember
Unterscheiden. Wer Unterschiede betont, spaltet. – Die indogermanische Wurzel des Stammbaums von „scheiden“ ist „spalten“.
18. Türchen, 18. Dezember
Einsamkeit. Einsam ist man nicht, wenn man allein ist, sondern wenn man nicht teilen kann, was man denkt, hofft, fürchtet, liebt, hat …
19. Türchen, 19. Dezember
Freundselig. Warum kennt unsere Sprache feindselig, aber nicht freundselig?
20. Türchen, 20. Dezember
Kritik. Das Wort Kritik stünde auf zwei Beinen – eines fürs Anerkennen, das andere fürs Nörgeln oder gar Verdammen. Das fürs Anerkennen lassen nicht wenige stehen und poltern humpelnd herum.
21. Türchen, 21. Dezember, hl. Thomas (der Zweifler), Winter-Sonnenwende
Zweifel. Bei den Zweifelnden findet die Demut leichter eine Herberge als bei den Wissenden.
22. Türchen, 22. Dezember, 4. Adventsonntag
Mut. Ein Titel in der Zeitung: „Endlich jemand, der den Mut hat aufzustehen!“ – Jetzt braucht schon das Aufstehen Mut! Oh du mutarme Zeit!
23. Türchen, 23. Dezember
Früher. Früher ist zu Weihnachten nur das Christkind geflogen. Heute fliegen viele dem Christkind davon.
24. Türchen, 24. Dezember, Hl. Abend
Ich verkünde euch eine große Freude. Am 8. Dezember war Mariä Empfängnis, Weihnachten ist Freude Empfängnis. Ich wünsche uns, dass wir für die Freude außerhalb von kaufen und besitzen empfänglich bleiben.
Ernster Adventkalender 2020
Weihnachten 2023
Helfende Hilflosigkeit
Gott von Weihnachten und aller Zeiten!
Gott von Betlehem und aller Welt!
Hast Du Deinen Boten ein Versprechen an uns mitgegeben
oder war’s ein Wunsch?
Sagten sie den Hirten nicht:
„Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“?
War die Rede vom Frieden ein Versprechen,
bist Du uns viel schuldig geblieben.
War sie ein Wunsch,
stehen wir beschämt
in Deiner und unserer Schuld.
War sie vielleicht ein Versprechen,
das nur Menschen gilt,
die sich Dein Wohlgefallen verdienen?
Oder war sie ein Wunsch,
der uns allen gilt,
weil wir Dein Wohlgefallen von Anbeginn haben?
Es ist ein Geschenk von Dir,
wie Du Dich selbst uns schenkst! –
Setzt Dich den Menschen aus.
Bist Kind, angewiesen und darauf vertrauend,
dass wir, angesteckt von Deiner Hilflosigkeit,
zu Helfenden werden. –
Und einander Friedensdienst leisten.
So kann in uns und um uns beginnen
und ansteckend werden
die helfende Hilflosigkeit.
Ernst Gansinger
Ernster Adventkalender 2023
3. 12. (1. Adventsonntag)
Erwarten oder hoffen. „Ich hoffe“, sagt die Demut; „ich erwarte!“, schreit die Ungeduld.
4. 12. (Namenstag hl. Barbara) Ruhe. Ruhe kann man nur wach genießen.
5. 12.
Hochnäsigkeit. Aus den hohen Nasen von sich überzeugter Menschen tropft abfälliges Reden. So kommt es durch Tröpfchen-Infektion zu einer Epidemie.
6. 12. (Nikolo-Tag)
Gute Worte. Gute Worte sind Schokolade für die Seele. Und: sie verstopfen nicht!
7. 12.
Stillen. Menschen wollen ihre Sehnsüchte stillen. Oft aber machen sie das Gegenteil: sie lärmen sie.
8. 12. (Feiertag, Mariä Empfängnis, für viele ein weihnachtlicher Einkaufstag)
Konsequenz. Der Wein aus Südafrika, die Äpfel aus Chile, die Schuhe aus China … der Jammer aus der Region.
9. 12.
Wüstensand. Karawanen guter Worte bleiben immer wieder im Wüstensand verstopfter Ohren stecken.
10. 12. (2. Adventsonntag, Tag der Menschenrechte)
Alles ist recht. „Mir ist alles recht“, sagt der Eine. „Das ist ja das Fatale, sagt ein Anderer.
11. 12.
Gefühle. Gefühle sind viel bunter als sich Sprache kleiden kann.
12. 12.
Umkehren. Zum Umkehren muss der Fuß vom Gas genommen werden.
13. 12. (Namenstag hl. Luzia, „die Leuchtende“)
Beleuchten. Die meisten Scheinwerfer der öffentlichen Aufmerksamkeit leuchten das Schlimme aus. Für das Gute stehen nur wenige Scheinwerfer zur Verfügung.
14. 12.
Vollmundig. Mit vollem Mund spricht man nicht. Doch oft sind es Vollmundige, die das Gespräch bestimmen.
15. 12.
Goldschmied. Deuten ist Silber, Verstehen ist Gold. Der liebende Mensch ist ein Goldschmied.
16. 12.
Widerstand. Der kleine Hader braucht viel Futter – Kraft und Zeit. Dieses Futter fehlt dem Widerstand im Großen.
17. 12. (3. Adventsonntag, Sonntag Gaudete, „Freut euch…!“ – Eingangsvers der Liturgie des heutigen Tages)
Freude. An der Lärmwand der Gaudi scheuert sich die Freude wund.
18. 12.
Türme. Wir kennen Aussichtstürme, aber keinen einzigen Einsichtsturm.
19. 12.
Ruhe. Menschen wollen in Ruhe gelassen werden und bedenken nicht, dass sie gar nicht in Ruhe sind.
20. 12.
Pessimismus. Pessimismus – das Schlechteste erwarten – wird auch durch die verbreitete Abwertung Anderer hochgezüchtet. Viele schlechte Worte bilden ein Dickicht, das die beste Erwartung – Optimismus – nicht mehr zu durchdringen vermag.
21. 12. (Namenstag hl. Thomas, Apostel, „Zweifler“)
Zweifel. Die Ungläubigkeit der Zweifelnden regt an. Die Gläubigkeit der Zweifellosen regt auf; sie sind Ich-Glaubende.
22. 12.
Wandlung. Liebe wandelt trennendes Anderes in ergänzendes Besonderes.
23. 12.
Leben in Fülle. Menschen sehnen sich nach einem Leben in Fülle und füllen das Leben mit tausend Dingen an, sodass die Fülle keinen Platz mehr hat.
24. 12. (hl. Abend))
Anteil nehmen. Wer am Geschehen in seiner Nähe Anteil nimmt, ist ein wacher Hirte der Nachbarschaft.
Weihnachten 2022
Wie alle Jahre feiern wir wieder die Menschwerdung Gottes.
Aber wie sehr kümmern wir uns darum,
Unsere Menschwerdung zu entfalten?
Gott wird nicht Mensch außerhalb von Beziehungen
Seiner zu uns Menschen und unserer untereinander
Seine Sehnsucht nach uns treibt ihn in unsere Arme.
Wir feiern Gottes Zuwendung zu den Menschen,
Dass er den am Rand Lebenden ein Ansehen gibt,
Sein erstes Ansehen hatten die Hirten! …
Wenn wir Weihnachten nicht nur feiern, sondern auch leben,
Kann es uns anstecken zur eigenen Menschwerdung!
Uns und den Unbeachteten ein Ansehen gebend.
So wünsche ich Euch
menschwerdende, menschseiende Weihnachten.
Das soll wirksam sein auch im neuen Jahr! Ernst Gansinger
Ernster Adventkalender 2022
28. Türchen, 24. Dezember, Hl. Abend
Bis heute berührt die göttlich-menschliche Armseligkeit, die mit der Weihnachtsgeschichte verbunden ist. – „Reichseligkeit“ kennt die Sprache nicht!
(Es hat auch „armselig“ sprachgeschichtlich nichts mit selig zu tun – mhd.: „armsal“ – Armut, Elend)
27. Türchen, 23. Dezember
Geschenkte Gedanken werden zu gedankten Geschenken.
26. Türchen, 22. Dezember
Mit Blick auf Weihnachten eine Stelle aus einem der revolutionärsten Texte des Neuen Testaments (Lukas 1,51-52): „… er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“ – Wo wir können, sollten wir mithelfen!
25. Türchen, 21. Dezember, Winterbeginn, Sonnenwende, Thomas
Zwei Eingänge hat die Schutzhütte, die vor der Schlucht der menschlichen Selbstherrlichkeit steht. Über dem einen steht „Zweifel“, über dem zweiten „Glaube“.
24. Türchen, 20. Dezember
Hochleistungs-SportlerInnen schieben mit hohem Risiko ihre Grenzen immer weiter hinaus. – Und die Hochleistungsgesellschaft?
23. Türchen, 19. Dezember
Das Vor-, Weg-,Über- und Unterwerfen beherrschen viele. Gilt Letzteres auch dem Gemeinwohl gegenüber?
22. Türchen, 18. Dezember, 4. Adventsonntag
Solidarität mit Menschen am Rand braucht einen Bruder – den Mut, gegen das An-den-Rand-Drängen aufzutreten.
21. Türchen, 17. Dezember
Menschen entrüsten sich gerne. – Würden sie sich doch wirklich ent-rüsten!
20. Türchen, 16. Dezember
An einem Du kann man sich anhalten, auch anlehnen. Das Ich ist oft haltlos.
19. Türchen, 15. Dezember
Wie kommen jene zusammen, die ganz bei sich sind und dort bleiben?
18. Türchen, 14. Dezember
Ein Gespräch auf Augenhöhe versprechen viele. Hat schon jemals jemand eins auf Ohrenhöhe versprochen?
17. Türchen, 13. Dezember, Luzia
Flackerndes Licht zeigt: Unruhe zerstückelt Strahlkraft.
16. Türchen, 12. Dezember
„Die da oben richten es sich!“ Und die da unten – richten sie nicht gerne?
15. Türchen, 11. Dezember, 3. Adventsonntag
Vom Nichtverstehen zum Ablehnen führt eine breite Straße.
14. Türchen, 10. Dezember, Tag der Menschenrechte
Auf seinem langen Weg durch die Geschichte hat das Recht die Vorsilbe seiner guten Kinderstube verloren. So wurden aus dem Aufrichten Recht und Richten.
13. Türchen, 9. Dezember
Eine bessere Bildung als jene, die Vorbilder vermitteln, kann man nicht genießen.
12. Türchen, 8. Dezember, Feiertag „Maria Empfängnis“
Zum Reden und Schwätzen gibt es viele Orte; der Ort zum Still-Sein ist in mir.
11. Türchen, 7. Dezember
Die Frage „verschuldet oder unverschuldet?“ leitet den Verlust der Barmherzigkeit ein.
10. Türchen, 6. Dezember, Nikolaus
Das Wichtigste muss man nicht sprechen, man muss es leben.
9. Türchen, 5. Dezember
Pauschalurteile und Herabwürdigungen sind Ziehkinder der Selbstüberschätzung.
8. Türchen, 4. Dezember, 2. Adventsonntag, Barbara
Um aufblühen zu können, braucht es Wärme. In der Kälte kommt das Blühen auf keinen grünen Zweig-
7. Türchen, 3. Dezember
Ein auf sich selbst bezogener Mensch lebt in der Einöde.
6. Türchen, 2. Dezember
Der Lärm des Banalen rempelt den Klang des Bedeutenden zur Seite.
5. Türchen, 1. Dezember
Die vor Gewissheit Strotzenden sind die Lauten, die Lauteren aber sind eher die Zweifelnden.
4. Türchen, 30. November
Wartende lassen die Zeit verstreichen; Erwartende nutzen sie.
3. Türchen, 29. November
Einer der häufigsten Fehler ist, sich keine Fehler machen zu trauen.
2. Türchen, 28. November
Leben ist vielmehr Ahnen und Hoffen als Gewissheit.
1.Türchen, 27. November
Wer zuhört, kann viel erfahren; wer redet, viel versäumen.
Weihnachten 2021
Der Schrei nach Zuwendung
Geboren in ärmliche Verhältnisse,
gebettet auf Stroh, hilflos, unbeachtet.-
Dieses Bild der Zuwendung Gottes
berührt viele
und sie schütten ihr Herz in die Krippe aus.
Das Kind wird größer,
Die Zuwendung Gottes begegnet uns bis heute
in vielen weiteren Bildern
Sie schreien ihrerseits nach Zuwendung.
Es rufen einsame, ausgestoßene, fremde,
abgewiesene, obdachlose, verzweifelte,
gedemütigte, ausgenützte,
tief in Schuld verstrickte Menschen.
Es rufen Hungernde, oftmals Kinder,
Menschen mit Handicaps,
Kranke und Sterbende,
Gott, einst Kind,
Hilfe und Liebe suchend bei den Menschen,
ruft mit den Hilfe und Liebe Suchenden.
Viele aber gehen
täglich an deren Krippen und Kreuzen vorüber.
Sie sehen die Not, schütten aber nicht mehr
ihr Herz in diese neuen Krippen,
und nicht unter die vielen Kreuze auf ihrem Weg.
Wie oft lassen wir nicht zu,
dass die Armseligen dieser Welt,
in denen uns das groß gewordene Kind anschaut,
ihr Herz ausschütten!
Das liebliche Kind,
zur Zumutung herangewachsen,
ist uns fremd geworden.
Und doch ist es dieses Kind –
schau genau, schaut genau hin -,
dieses arme Kind,
das uns einst so berührt hat.
Ernst Gansinger
Ernster Adventkalender 2021
27. Türchen, Hl. Abend, 24. Dezember
Anteil nehmen. Wer am nahen Geschehen Anteil nimmt, ist eine Gärtnerin oder ein Gärtner des Zusammenlebens, ein wacher Hirte der Nachbarschaft.
26. Türchen, 23. Dezember
Gut sehen. „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, erfährt der kleine Prinz vom Fuchs. – Viele Herzen bräuchten dennoch eine Brille.
25. Türchen, 22. Dezember
Von unter zu über. Wenn sich Menschen unterhalten, überhalten sie sich oft – über andere,
24. Türchen, 21. Dezember
Paradox. Unheimliches geschieht meist heimlich.
23. Türchen, 20. Dezember
Lohn des Irrens. Auf den Umwegen des Irrens lernen wir Unbekanntes kennen, das wir auf den eingegangenen Wegen nie kennengelernt hätten.
22. Türchen, 4. Adventsonntag, 19. Dezember
Genügsam. Zwischen zufrieden und unzufrieden liegt ein großer Berg. Er heißt Genügsam.
21. Türchen, 18. Dezember
Seltsames. Die Nachsilbe „-sam“ führten die Gebrüder Grimm in ihrem Wörterbuch noch als selbstständiges Wort. Es bedeutete „gleichwie“, „als ob“. Längst hat -sam den Selbststand verloren. Nun ist es in passender Gesellschaft – etwa von einsam und schweigsam.
20. Türchen, 17. Dezember
Erwarten und hoffen. Hochmut erwartet, Demut hofft.
19. Türchen, 16. Dezember
Stille. „Ich kämpfe für mehr Stille!“ – „Dann stell den Kampflärm ab!“
18. Türchen, 15. Dezember
Vermessen. Der Hochmut beruht auf falschen Messdaten zur eigenen Person. Man vermisst sich und wird vermessen.
17. Türchen, 14. Dezember
Zuhören. Das Interesse an einem Menschen zeigt sich nicht daran, ihm möglichst viel zu sagen, sondern ihm möglichst viel zuzuhören.
16. Türchen, Lucia-Tag (Wiederkehr des Lichts), 13. Dezember
Licht. Ein Licht im Tunnel wäre hilfreicher als eins an dessen Ende.
15. Türchen, 3. Adventsonntag, 12. Dezember
Mut 2. Wie es den Armen an vielem fehlt, fehlt es der Armut selbst an einem M. Als Armmut würde sie zur Mut-Verwandtschaft gehören. Doch Armut hat eine mutlose Sprach- und Lebensgeschichte
14. Türchen, 11. Dezember
Mut 1. Der Hochmut, der Unmut, der Übermut, der Kleinmut; die Wehmut, die Demut, die Anmut. – Der weibliche Mut ist viel sympathischer.
13. Türchen, Tag der Menschenrechte, 10. Dezember
Verabschieden. Gesetze werden verabschiedet. – Sind damit die darin formulierten Rechte in Kraft oder weggeschickt, gar begraben?
12. Türchen, 9. Dezember
Gold. Deuten ist Silber, Verstehen ist Gold. Verständnisvolle Menschen sind Goldschmiede.
11. Türchen, Hochfest „Maria Empfängnis“, 8. Dezember
Geschenkt. Wir alle sind im Beginn empfangen, sind daher nicht unser Verdienst, sondern Geschenke – uns und einander geschenkt.
10. Türchen, 7. Dezember
Aus- und Einsicht. Bei guter Aussicht finden wir viele Worte. Eine klare Einsicht lässt uns verstummen.
9. Türchen, Nikolo-Tag, 6. Dezember
Nikolaus. Gute Worte sind Schokolade für die Seele. Aber sie verstopfen nicht.
8. Türchen, 2. Adventsonntag, 5. Dezember
Wartefalle. Lassen wir in der Hoffnung, dass noch Besseres kommt, nicht oft das Gute an uns vorüberziehen?
7. Türchen, Barbara-Tag, 4. Dezember
Aufblühen. Wir bringen Zweige ins Warme, damit sie aufblühen können. – Wie oft werden Menschen in der Kälte gelassen!
6. Türchen, 3. Dezember
Teil. Teilnehmen ist seliger denn Nehmen, Teilhaben seliger denn Haben. Im Teil liegt mehr als im Ganzen.
5. Türchen, 2. Dezember
Kraft. Stehen ist anstrengender als laufen. Es braucht mehr Kraft standzuhalten als wegzulaufen.
4. Türchen, 1. Dezember
Ausreden und Einschweigen. Jene haben Ausreden, diese wollen anderen etwas ausreden und einige lassen nicht ausreden. Es bräuchte mehr Einschweigen.
3. Türchen, 30. November
Wege. Alle Wege führen nach Rom. Aber auf welchen komme ich zu mir?
2.Türchen, 29. November
Warten. „Worauf wartest du?“ – „Dass das Warten ein Ende hat.“
1. Türchen, 1. Adventsonntag, 28. November
Erwartungen. Auf den jeweiligen Gipfeln der von uns aufgetürmten Erwartungen sind wir einander ferner, als wir im Tal sein können.
Weihnachten 2020
Das Baby bleibt nicht Baby
Jetzt ist es in Windeln gewickelt und liegt hilflos in einer Krippe. Das Kind rührt uns an. Überschwänglich feiern wir die geborene Zusage Gottes.
Das Kind wird groß und erwachsen. Dann wird es die bekannten Sätze seiner Reich-Zusage an solidarische Menschen sprechen:
„Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“ (Mt 25,35-36)
Diese Sätze können schon bei der Krippe gelesen werden, genauso wie Verfluchungs-Sätze gegen unsolidarische Menschen, die nichts zu essen und nichts zu trinken gegeben, Fremde und Obdachlose nicht aufgenommen, Nackte nicht gekleidet sowie Kranke und Gefangene nicht besucht haben. (vgl. Mt 25, 41-43)
In der Krippe liegt die göttliche Botschaft der Solidarität!
Ernst Gansinger
Ernster Adventkalender 2020
24. Dezember, Hl. Abend
Geschenk. Das wirklich Bedeutsame und Entscheidende unseres Lebens ist nicht unser Verdienst; es wird uns geschenkt.
23. Dezember
Hirten auf dem Feld. Weil es eng im Stall ist, sagten die Hirten: lasst uns über Livestream das Kind in der Krippe besuchen!
22. Dezember
Vergeben. Was vergeben wir uns, wenn wir vergeben?
21. Dezember, Winterbeginn
Nachsicht. Ohne Nachsicht hätten wir alle das Nachsehen.
20. Dezember, 4. Adventsonntag
Bitte und Dank. Der Wunsch ist der Vater der Bitte; dem Dank fehlen oft die Eltern.
19. Dezember
Aussteigen? Der Lebenszug fährt viele Bahnhöfe an. Doch kaum einmal wagen wir auszusteigen.
18. Dezember
Ausreden. Es gibt Menschen, die in Ausreden flüchten, um sich nicht mit anderen ausreden zu müssen.
17. Dezember
Impfung. Die beste Impfung gegen die Angst heißt Gemeinschaft.
16. Dezember
Lieben. Liebe belohnt nicht das Geliebt-Werden. Liebe liebt.
15. Dezember
Hoffen. Würde doch so viel gehofft wie erhofft!
14. Dezember
Glauben. Wer an sich glaubt, hat einen schwachen Glauben.
13. Dezember, 3. Adventsonntag, hl. Luzia
Licht. Es könnte so hell sein, wenn wir uns gegenseitig nicht die Lichter ausblasen.
12. Dezember
Wärme. Worte können wärmen. Aber nicht, wenn wir sie vorher durch den Gefrierraum der Gleichgültigkeit schicken.
11. Dezember
Schweigen. Reden ist nicht immer Silber, Schweigen ist oft Blei.
10. Dezember, Internationaler Tag der Menschenrechte
Menschenrechte. Stell Dir vor, es gäbe eine unterzeichnete Menschenrechtsdeklaration und die gälte auch für Flüchtlinge und alle Menschen in Not.
9. Dezember
Shopping. Wie die Pythonschlange große Tiere in sich hinein würgt, verschlingt die Warteschlange die Geduld.
8. Dezember, Feiertag, Maria Empfängnis
Niedrigkeit. Inbrünstig besingen Christen, dass Gott auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut hat. Inbrünstig streben viele von ihnen nach hohen Ämtern und Würden.
7. Dezember
Zufriedenheit. Wer durch den Fluss Genügsam schwimmt, erreicht das Ufer zur Zufriedenheit.
6. Dezember, 2. Adventsonntag, Nikolotag
Schenken. Großes schenkt, wer ausharrt, wenn sich andere zurückziehen.
5. Dezember
Einsam. Die Einsamkeit wird schlimmer, wenn das enttäuschte Ich auf Besuch kommt.
4. Dezember, Gedenktag der hl. Barbara
Mut. Gäbe es in der Sprache einen Markenschutz, würde der Mut die Zumutung erfolgreich verklagen können..
3. Dezember
Fragen. Statt auch zu antworten, immer nur zu fragen, ist die höchste Kunst des beredten Sich-Heraushaltens.
2. Dezember 2020
Gerecht. „Tauet Himmel den Gerechten.“ – Was ist, wenn der Tau auf frostige Erde fällt?
1. Dezember 2020
Haben. Viele haben genug, der Mangel liegt im Wahrhaben.
30. November 2020
Angst und Mut. Auf der Ladefläche der Angst wird das Gegeneinander transportiert, auf der Ladefläche des Mutes das Füreinander.
29. November, 1. Adventsonntag
Erwarten oder hoffen. „Ich hoffe“, sagt die Demut; „ich erwarte!“, schreit die Ungeduld.
Was mir Weihnachten sagt:
Mensch werden, Mensch sein
Weihnachtswünsche 2019
Ich bin Mensch
und vernachlässige oft,
Mensch zu sein.
Ich bin Mensch geworden
und muss es erst werden.
Menschwerdung ist
dauerndes Werden –
nie abgeschlossen!
Im Sein droht
dem Werden Verlust.
Mensch werden,
heißt Mensch sein
mit anderen.
Im Zuwenden wird
das Werden zum Sein.
Mensch sein ist die Ermutigung der Menschwerdung.
In diesem Sinn: gesegnete Weihnachten
und ein menschliches Jahr 2020!
Ernst
Ernster Adventkalender 2019
In der Adventzeit veröffentliche ich auch auf meiner Webseite meine täglichen „Adventtürchen“. Ich verbinde damit den Wunsch, dass Du Dich auf Weihnachten zu nicht – fortlaufend – schleunigen musst, sondern – in Dir bleibend – entschleunigen kannst!
24. Türchen, 24. Dezember; Tag des Hl. Abends
Nacht und Dauer. Die eilige Dauer des Nebeneinanders mündet in die Heilige Nacht des Miteinanders. Diese mündet dann wieder in die Dauer. – Wird es eine gewandelte sein?
23. Türchen, 23. Dezember
Schenken. Würde jene Zeit, die mit dem Reden über jemanden verbracht wird, verwendet zum Reden mit ihm, müssten viel weniger Geschenke gekauft werden.
22. Türchen, 22. Dezember, 4. Adventsonntag
Anspruch. Verzeihen und verzichten haben die gleiche Sprachwurzel mit der Bedeutung, einen Anspruch aufzugeben. – Doch erhebt der Mensch viel eher Anspruch, als er ihn aufgibt.
21. Türchen, 21. Dezember
Einsicht. Den Weg zur wunderbaren Aussicht können wir alleine gehen. Auf dem Pfad zur schmerzenden Einsicht, sollten wir jemanden an unserer Seite haben.
Türme. Wir kennen Aussichtstürme, aber keinen einzigen Einsichtsturm.
19. Türchen, 19. Dezember
Augenhöhe. Viele fordern „Begegnungen auf Augenhöhe“. Doch oft hat man es dann mit stechenden oder kalten Augen zu tun. – Nicht die Höhe der Begegnung ist entscheidend, sondern ihre Tiefe und Wärme.
18. Türchen, 18. Dezember
Zu sich kommen. Wer zu sich kommt, kommt in großen Reichtum, denn in ihm sind Ernte und Saatgut: die Erinnerung und die Hoffnung.
17. Türchen, 17. Dezember
Stille. In der Stille kann der Mensch zu sich kommen, in der Einsamkeit droht er, sich zu verlieren.
16. Türchen, 16. Dezember
Gold. Deuten ist Silber, Verstehen ist Gold. Liebende Menschen sind Goldschmiede.
15. Türchen, 15. Dezember, 3. Adventsonntag, Sonntag Gaudete: Freut Euch!
Freude. Zum Großmut kommt die Freude gerne auf Besuch, um die Gier macht sie einen Bogen.
Und zu Gaudete ein Extratürchen für KirchgängerInnen:
Frohe Botschaft. Schaut in unsere Gottesdienste! – Wie froh muss eine Botschaft eigentlich sein, damit wir unsere Freude auch zeigen?
14. Türchen, 14. Dezember
Vernunftbegabt. Menschen verstehen viel, doch wenige. – Denn e t w a s zu verstehen, ist eine Frage des Verstandes; j e m a n d e n zu verstehen, eine des Gefühls. – Vielleicht aber wären viele auch gefühlbegabt. Doch ihre Begabung wird kaum gefördert.
13. Türchen, 13. Dezember, Namenstag von Luzia „die Leuchtende“
Beleuchten. Die meisten Scheinwerfer der öffentlichen Aufmerksamkeit leuchten das Schlimme aus. Für das Gute stehen nur wenig Scheinwerfer zur Verfügung.
12 Türchen, 12. Dezember
Ansehen. Der Vollmundige will, indem er spricht, Ansehen erlangen. Der Vollohrige gibt, indem er zuhört, anderen Ansehen.
11 Türchen, 11. Dezember
Kostbar. Greifbar, vorstellbar, absetzbar … machbar also. – Kostbares aber ist nicht machbar. Das macht es so kostbar.
Recht geschehen. Wenn Menschen recht geschieht, geschieht ihnen oft nicht Recht.
Klima-Bedrohung. Es ist bekannt: Fernreisen bedrohen das Klima. Es wird aber nur wenig bedacht: viele Nahreisen vergiften es – die Nahreisen verächtlicher Worte.
8. Türchen, 8. Dezember, Marien-Feiertag, 2. Adventsonntag
Entriegeln. Mit jedem Riegel, den wir zwischen uns abreißen, kann der Himmel näher kommen.
Gut aufgestellt. „Wir sind gut aufgestellt!“ – Das können wir oft hören. – „Wir stellen uns gut an!“ – Haben wir das schon einmal gehört?
6. Türchen, 6. Dezember, Nikolo-Tag
Wandlung. Liebe wandelt trennendes Anderes in ergänzendes Besonderes.
5. Türchen, 5. Dezember
Schweigen. In der lärmend banalen Aufgeregtheit fällt das Schweigen über erschütternd Aufregendes nicht auf.
4. Türchen, 4. Dezember, Tag der hl. Barbara (mit dem Brauch der Barbarazweige)
Blühen. Zum Aufblühen braucht es das Licht des Zutrauens.
Anlachen. Der eilige Mensch hat keine Zeit; so viele Ziele lachen ihn an. Der Voreilige hat gar keine Zeit; so viele Ziele könnten ihn anlachen. Die Weilige hat Zeit – zum Anlachen.
Rettendes zu Weihnachten (2018)
Der Retter ist geboren!
Seine Schwäche feiern wir:
Eine mieselsüchtige Unterkunft –
ein ordentliches Quartier gibt es nicht für ihn –
kaum jemand nimmt Notiz,
es sind nur Hirten – Randexistenzen der Gesellschaft –
die Zentraleminenzen kommen viel später.
Noch heute ist er in mieselsüchtiger Umgebung.
Quartier bekommt er oft nur bei Menschen in Not.
Die flunkernde Welt nimmt wenig Notiz von ihm.
Wer Stärke sucht,
den irritiert Schwäche.
Im Zentrum ist die Irritation gering,
man sieht ja die Ränder nicht.
Gott ohne Macht, das ist eine Kern-Botschaft –
weit über Weihnachten hinaus. –
Sie birgt den Keim radikaler Veränderung,
gibt den Schwachen Würde, hebt sie über die Eminenzen.
Das Heilende braucht nicht Stärke.
Wir müssen uns nicht retten,
wir müssen nur Gott in uns retten.
Dazu ein paar Zeilen des Sonntagmorgengebetes (12. Juli 1942) aus dem Tagebuch von Etty Hillesum:
Es sind schlimme Zeiten, mein Gott.
Ich verspreche dir etwas, Gott, nur eine Kleinigkeit: Ich will meine Sorgen um die Zukunft nicht als beschwerende Gewichte an den jeweiligen Tag hängen, aber dazu braucht man eine gewisse Übung. Jeder Tag ist für sich selbst genug. Ich will dir helfen, Gott, dass du mich nicht verlässt, aber ich kann mich von vornherein für nichts verbürgen. Nur dies eine wird mir immer deutlicher: dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns letzten Endes selbst … dass wir dir helfen müssen und deinen Wohnsitz in unserem Inneren bis zum Letzten verteidigen müssen …
In diesem Sinn wünsche ich uns allen eine rettende Gesinnung – zu Weihnachten und für die kommende Zeit!
Ernst
Ernster Adventkalender 2018
Auch im heurigen Advent öffne ich hier täglich ein Text-Türchen –
knappe adventliche Anstöße
23. und letztes Türchen, Hl. Abend, 24. Dezember
Berührt unberührt. Alle Jahre berührt uns der armselig Mensch-Gewordene, das Kind in der Krippe. Und dann? – Streben wir weiter nach einem reichseligen Leben.
22. Türchen, 4. Adventsonntag, 23. Dezember
Leben in Fülle. Menschen sehnen sich nach einem Leben in Fülle und füllen das Leben mit tausend Dingen an, sodass die Fülle keinen Platz mehr hat.
21. Türchen, 22. Dezember
Leisten. Die reiche Gesellschaft leistet sich viel – sogar die Armut in ihr.
20. Türchen, 21. Dezember, Winterbeginn
Gehen. „Wie geht‘s dir denn?“ und „Ich muss wieder gehen!“ – Die Frage am Beginn einer Begegnung und der oft bald darauf folgende Hinweis, das Gespräch wieder beenden zu müssen, tragen den gleichen Schuh. Es ist ein Laufschuh.
19. Türchen, 20. Dezember
(V)erinnern. Wenn sich das Gedächtnis an ein gutes Gespräch längst nicht mehr gut erinnert, hat es das Gefühl gut verinnert.
18. Türchen, 19. Dezember
Zu. Vielen fällt es leichter zu schauen, als zu hören. Das gilt besonders, wenn sich das Schauen und das Hören an das Wort „zu“ anhängen – zuschauen, zuhören.
17. Türchen, 18. Dezember
Teilen. Würde alles geredet, was auf elektronischem Weg mitgeteilt und geteilt wird, wäre auf dieser unendlich geteilten Welt ein ungeteilter Höllenlärm.
16. Türchen, 17. Dezember
Wüste. Manche Menschen führen ein tristes Wüstenleben. Sie sind Verirrte in einer seelischen Wüste. – Fallen die Rufe aus der Oase vernehmbar aus?
15. Türchen, 3. Adventsonntag, Sonntag Gaudete „Freuet Euch!“, 16. Dezember
Freude. Die Freude kennt keinen Geiz; sie wächst an der Mitfreude anderer.
14. Türchen, 15. Dezember
Pferd oder Mut. „Wer die Wahrheit sagen will, braucht ein schnelles Pferd!“ – So weiß es ein mongolisches Sprichwort. – Es ginge aber auch ohne Pferd: mit Mut!
13. Türchen, 14. Dezember
12. Türchen, 13. Dezember, Luzia
Scheinwerfer. Wer auf andere den Scheinwerfer richtet, ist im blendenden Versteck, aus dem sich leicht richten lässt.
11. Türchen, 12. Dezember
Zeihen. Sind wir nicht oft wie Windhunde beim Zeihen und lahme Enten im Verzeihen?
10. Türchen, 11. Dezember
Zustehen. Was mir zusteht, ist nicht so bedeutend. Wozu ich stehe, ist bedeutender. Noch viel wichtiger ist, dass jemand zu mir steht.
9. Türchen, 10. Dezember, Tag der Menschenrechte
Schwäche. Es braucht auch ein Menschenrecht auf Schwäche.
8. Türchen, 2. Adventsonntag, 9. Dezember
Verstanden sein. Verstanden wird man nicht mit dem Verstand.
7. Türchen, 8. Dezember, Marien-Feiertag, für viele der Einkaufstag
Einkauf. Es heißt einkaufen, aber viele haben es zum Hundertkaufen entwickelt.
6. Türchen, 7. Dezember
Ruhe. Wir wollen in Ruhe gelassen werden, und bedenken nicht, dass wir gar nicht in Ruhe sind.
5. Türchen, 6. Dezember, Nikolo
Schenken. Mit jedem Geschenk erzählen wir viel über uns.
4. Türchen, 5. Dezember
Zeit haben. Kann es sein, dass viele deswegen so wenig Zeit haben, weil sie diese totgeschlagen haben?
3. Türchen, 4. Dezember, Barbara
Wärme. Wir schenken kahlen Zweigen Wärme, weil wir wissen, dass sie dadurch aufblühen können. – Das kann auch bei Menschen funktionieren!
2. Türchen, 3. Dezember
Aufhören. Wenn wir aufhören, aufeinander zu hören, hört sich alles auf.
Warten. Das Warten ist reich. Es hat zum Beispiel eine Bank, einen Saal, ein Häuschen, sogar eine eigene Zeit. Doch nicht viele lockt dieser Reichtum.
Ernster Adventkalender 2017
Auch im heurigen Advent öffne ich hier täglich ein Text-Türchen –
knappe adventliche Anstöße
Heilen. Ein wehrloses Kind soll der Welt Heil bringen? – Die streitbaren Großen haben schon tausendfach Unheil gebracht!
Schenken. Je mehr sich ein Mensch selbst heraushält, desto eher stopft er das entstehende Loch mit Geschenken.
Türme. Wir kennen Aussichtstürme, aber keinen einzigen Einsichtsturm.
Solidarität. Solidarität ist Glühwein bei sozialem Frost.
Warten. Warten ist wortverwandt mit der Warte, dem Ausguck. Mit Einguck – der Schau nach innen – ist „warten“ nicht verwandt.
16. Türchen, 18. 12.
Ziele. Überall kommen wir hin, nur kaum noch zu uns.
15. Türchen, 17. 12., 3. Adventsonntag
Stille. Zwischenmenschliche Funkstille taucht im Lärm der stillsten Zeit unter.
14. Türchen, 16. 12.
Geben. Vorgeben fällt leichter als nachgeben.
13. Türchen, 15. 12.
Schweigen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. – Geht es um Mut, haben wir uns schon eine Schatzkammer erschwiegen.
12. Türchen, 14. 12.
Vollmundig. Mit vollem Mund spricht man nicht, sagt der gute Ton. Vollmundigen aber geht es um den lauten Ton.
11. Türchen, 13. 12., Gedenktag der hl. Luzia
Licht. Die Lichtflut erhellt die Auslagen, aber nicht unsere Innenlagen.
10. Türchen, 12. 12.
Schein. Hinter dem grellen Licht des Scheinbaren ist das Unscheinbare verborgen.
9. Türchen, 11. 12.
Hetzen. Es wird so viel gehetzt. Selbst auf Weihnachten zu hetzen Menschen – und vergehen sich so am Fest.
8. Türchen, 10. 12., 2. Adventsonntag
Umkehr. Zum Umkehren müssen wir vom Gas steigen.
7. Türchen, 9. 12., am Vorabend des Tages der Menschenrechte
Aufreißen und dicht machen. O Heiland, reiß die Himmel auf; auf Erden machen wir dann dicht. Reiß ab, wo Schloss und Riegel für; und Zäune hier errichten wir.
6. Türchen, 8. 12., Feiertag, den viele als Einkaufstag nutzen
Konsequenz. Der Wein aus Südafrika, die Äpfel aus Chile, die Schuhe aus China … der Jammer aus der Region.
5. Türchen, 7. 12.
Miteinander. Jeder und jede ist anders. – Es könnte ein gutes miteinanderes Leben sein.
4. Türchen, 6. 12., Nikolo-Tag
Verschenken. Mancher meint, er hätte nichts zu verschenken. – Nicht einmal Aufmerksamkeit?
3. Türchen, 5. 12.
Dahinter. Hinter den Zäunen und Mauern taumelt das Glück der Abgeschiedenheit leicht ins Unglück der Einsamkeit.
2. Türchen, 4. 12., Tag der hl. Barbara, die – so die Legende – einen verdorrten Zweig wieder blühen ließ..
Aufblühen. Zuwendung ist der Dung, der Menschen zum Blühen bringt.
1. Türchen, 3. 12., 1. Adventsonntag
Erwarten. Menschen erwarten viel und können’s nicht erwarten.
Weihnachten 2016
Der Zwiespalt von Weihachten
Glaubende rühmen Gott, der sich klein und schwach macht,
und wollen selber groß und stark sein.
Glaubende besingen die stille, ruhige Nacht
und bleiben in der Lärmwelt, hetzen bis zum Schluss.
Glaubende loben die Hirten, die sich als erste auf den Weg machen,
und bleiben in ihren Schutzräumen.
Glaubende sind ergriffen von der Ermunterung „fürchtet euch nicht“
und werden immer ängstlicher zu verlieren.
Glaubende hören von den Engeln
und erkennen sie mitten unter ihnen nicht.
Glaubende feiern die Menschwerdung
und leben sie nicht.
Ich wünsche Euch eine glaubensstarke Weihnachtszeit: Mut zur Kleinheit und zur Schwäche, Gelassenheit und Ruhe, ein Herz zum Verlassen der Schutzräume, weniger Angst, den Sinn für Engeln mitten unter uns und den Mut zum Leben und Lieben, zur Menschwerdung.
Ernst
Ernster Adventkalender 2016
Im Advent öffne ich hier jeden Tag ein Text-Türchen: knappe adventliche Anstöße
26. Türchen, Donnerstag, 22. 12.
Zuwendung. Ganz oben auf der Zuwendungs-Leiter: ich bin bei dir! Darunter: ich schreib Dir. Dann: ich ruf Dich an. Und zuletzt: ich denk an Dich. – Zuwendung ist keine Denkaufgabe. Viele aber müssen sie sich denken.
25. Türchen, Mittwoch, 21. 12., Namenstag des „ungläubigen“ Thomas (vor der Liturgiereform, dann wurde es der 3. Juli)
Zweifel. Die Ungläubigkeit der Zweifelnden regt an; die Gläubigkeit der Zweifellosen regt auf; sie sind Ich-Glaubende.
24. Türchen, Dienstag, 20. 12.
Verlassen. „Darauf kann ich mich verlassen, dass ich am Heiligen Abend verlassen bin“, klagt ein einsamer Mensch. – Es ist die Verlassenschaft einer ausgelassenen Gesellschaft, die sich auf nichts einlässt.
23. Türchen, Montag, 19. 12.
Konsum. In der Konsum-Gesellschaft ist Konsum-Enthaltung verpönt … außer man konsumiert Enthaltung.
22. Türchen, Sonntag, 18. 12., 4. Adventsonntag
Munden. Was uns schmeckt, mundet uns. Es ist seltsam: Für den Gefallen des Ohrs und des Auges gibt es kein ähnlich abgeleitetes Wort: Nichts ohrt uns, nichts augt uns. – Es käm‘ doch so vieles dafür in Frage!
Hören. Wem gehörst du denn? – So werden kleine Kinder gefragt. – Es heißt: Auf wen hörst du, wem vertraust du? Kinder wissen darauf eine Antwort. Und Erwachsene?
19. Türchen, Donnerstag, 15. 12.
Wie geht’s dir denn? Die Frage ist schnell gestellt. Eine Antwort zu erwarten - dafür fehlt oft die Zeit. Uns geht’s nicht mehr, uns eilt’s.
Licht. Wer ins Licht schaut, sieht nicht dahinter. – Tausende Lichter, mit denen wir den äußeren Advent schmücken, schirmen manch dunklen inneren Advent ab.
16. Türchen, Montag, 12. 12.
13. Türchen, Freitag, 9. 12.
Kosten. Menschen stürzen sich in hohe Kosten, um das Leben zu kosten. Doch kosten und Kosten stehen in keiner Beziehung. Ein Verwandter von „kosten“ hingegen ist der Gusto. Lebensappetit ist nicht kaufbar, aber kostbar.
12. Türchen, Donnerstag, 8. 12.,Feiertag, für viele ein Einkaufstag
Kaufen. Der Gabentisch am Heiligen Abend wird vielfach zum Tisch der Verausgabung.
11. Türchen, Mittwoch, 7. 12.
Takt. Zum Walzertanzen braucht es Takt, sagte Van der Bellen in einer ersten Rede zu seinen Vorhaben als Bundespräsident. Zu ergänzen wäre: es braucht im ganzen Stammtisch-Land Taktschulen.
10. Türchen, Dienstag, 6. 12. 2016, Nikolotag
Schenken. Was haben wir aus dem Schenken gemacht! – „Geschenkt!“ meint: ist nicht der Rede wert. „Das schenk ich mir“ bedeutet: das mach ich nicht. Einem wird nichts geschenkt außer Härte und einem anderen wird kräftig eingeschenkt.
9. Türchen, Montag, 5. 12. 2016
Erwarten. Wir erwarten uns so viel und können es kaum erwarten.
8. Türchen, 2. Adventsonntag, Barbara, Tag der BP-Wahl, 4.12.
Stimmen. Wenn wir die Stimme gegen Unstimmiges nicht erheben, schaffen wir eine verstimmte Gesellschaft.
7. Türchen, Samstag, 3.12.
Kleinlaut. Kleinlaut wünsche ich uns mehr Kleinlaute! Während sie sich verhalten ausdrücken, sind Großmäuler anhaltend von sich beeindruckt.
6. Türchen, Freitag, 2.12.
Mut. Du brauchst mehr Mut, spottete der Hochmut über den Kleinmut.
Der nahm allen Unmut zusammen und sagte: Ja, Demut!
5. Türchen, Donnerstag, 1.12.
Verloren. Hier irrt die Sprache: „in Gedanken verloren“. – Man findet sich in Gedanken. Ich wünsch uns eine große „Gedanken-Verlorenheit“.
4. Türchen, Mittwoch, 30. 11.
Besuch. Ich habe mich besucht. Ich habe Zeit mit mir verbracht.
3. Türchen, Dienstag, 29. 11
Stillen. Menschen wollen ihre Sehnsüchte stillen, machen aber das Gegenteil: sie lärmen sie.
2. Türchen, Montag, 28. 11.
Worte. Der Mensch möchte beantwortet sein, wird aber bewortet.
1. Türchen, Erster Adventsonntag, 27. 11. 2016
Adventalarm. Lärm und Alarm haben gemeinsame italienische Urgroßeltern: „alle arme!“ (zu den Waffen!) – Im Advent lärmt die Geldwaffe besonders.