Das Bild zeigt Bänke in Cetviny/Zettwing an der Maltsch, die das Zeitliche schon gesegnet haben. (Mittlerweile stehen sie nicht mehr; sie wurden durch neue ersetzt.) Foto: EG

 

Am 18. November 2016 präsentierte ich in Linz im Mozartsaal in der Altstadt mein neues Buch „Das Zeitliche segnen“.
Ich freue mich, dass so viele Gäste gekommen sind; die Veranstaltung war ausgebucht. Allen, die mitgeholfen haben, dieses Präsentations-Fest  zu gestalten (musikalisch, durch Zubereitung der Aufstriche, Spenden von Getränken, Küchen- und Servicedienste, Abwicklung des Buchverkaufs) sage ich herzlich danke!
Ernst

Zitate aus den Texten des Buches
„Das Zeitliche segnen“

Der fehlende Selbstzweifel in „Zweifellos“
„Der Mensch neigt dazu, sich als Maß zu nehmen, seinen Horizont als den für alle gewünschten Horizont zu erkennen. An diesem Maß und von diesem Horizont her wird die Welt gedeutet und verstanden: Meins ist richtig, Deins nur dann, wenn es ist wie meins. Es ist eine einfache Schnur, die durch das Leben führt. Ein Absperrband, das meinen Denkbezirk frei hält von Denkeintritten aus den umliegenden Bezirken.“

Tierliebe in „Der Hund des Königs“
“ Im Schreiben wurde mir immer deutlicher bewusst, wie groß das Vorbild Tier für den großen Mangel unserer Zeit sein kann: Beziehung.“

 Nicht heraushalten! in „Den Worten nachgehen“
„Ich verstehe für mich: Christsein ist unmöglich im unschuldigen Raum möglich. Es fordert mich mitunter auf, „schuldig“ zu werden.“

Die Haltung den Flüchtlingen gegenüber in „Der Fremde, ein Feind“
„Wie ein Wort – ‚Willkommen!‘ – so in Verruf kommen, so unwillkommen werden kann! Noch dazu ein Wort, das einen Wert vorstellt, von dem man sich verabschieden will, ohne ihn je wirklich als Gesamtgesellschaft praktiziert zu haben! Nun aber ist der Wert in Grund und Boden gestampft. Fortan soll es keine Kultur mehr sein, Fremde willkommen zu heißen. In uns stecken halt doch ein Indogermane und das Altertum, steckt das Gefühl, das Griechen und Römer in ein gemeinsames Wort für Gast und Feind gossen. Eben noch Gast, dann Feind, oder auch umgekehrt.“

Zuschauen und Alles-Kommentieren in „Teilnehmen statt Anteil nehmen“
„Die zur Teilnahme-Gesellschaft gewordene Medien-Muppet-Show hat die Anteilnahme verlernt. Vom Balkon der Heraushaltung werden Bilder vermeintlicher Ideale hochgehalten. Brot und Spiele verlangen Statler und Waldorf, koste es, was es wolle – bei den anderen … Zur Anteilnahme sind die Menschen am Boulevard der Adabeis nicht mehr fähig. Anteilnahme verkümmert zur bloßen Teilnahme am Marathon der vielen Sensationen oder zu Sensationen aufgemascherlten Ereignissen.“

Der Stammtisch in „Ihr Recht geht vom Volk aus“
„Der Stammtisch ist längst nicht nur ein Tisch, ein Ort, an dem sich die kollektiv am gleichen Meinungsstrang Ziehenden treffen, sich gegenseitig bestätigen, Themen aufschaukeln, Haltungen würdigen oder kreuzigen. Er ist nicht nur ein Tisch, an dem die Tischgesellschaft das Rote Meer der Meinungen teilt – links die guten, rechts die verdammten – und so nasser Zunge durch Vorurteile und Gerüchte in die Wüste unverrückbarer Meinungen eilt. Der Stammtisch ist überall, überall, wo seichtes Wasser ist, das sich leicht aufstauen lässt. Staumaterial liefern Medien vor allem damit, was sie an Fragezeichen zu Rufzeichen verbiegen. Dazu kommen Postings von Mediennutzer/innen, die ihre Rufzeichen zu Pfeilen spitzen, Einträge in social media, Entrüstungen in der Straßenbahn und beim Kaffeekränzchen, Liegewiesen-Welterklärungen und vieles mehr. Stammtisch ist überall dort, wo die „Volksseele“ kocht, alles verkocht, faschiert, filetiert, paniert, erhitzt, gardampft, was ihr gerade unterkommt.“

Der Umgang mit Außenseitern und Gestrandeten in „Der Liegende, an dem vielen nichts liegt“
„Heimat bedeutet: Nicht links liegen gelassen zu werden, eingehängt, gestützt zu sein, von sich reden zu können, von den Wünschen, Ängsten und Hoffnungen, Sinn und Platz zu haben, dazu zu gehören, sich wenigstens ein bisschen auch wohl zu fühlen. Solange diese Welt nicht für alle in diesem Sinn eine Heimat ist – und davon ist sie weit entfernt – solange müssen die Beheimateten unruhig wegen der vielen Heimatlosen sein. Unruhig auch über das Links-liegen-Lassen so vieler Außenseiter.“

Die Gier nach Sensationen in „Hoppala, so viele Superlas“
„Unsere Zeit ist süchtig nach Superlativen. Im weltweiten Surfnetz wird die Sucht optimal bedient. Gewöhnliches wird ins Gewöhnlichste gesteigert. Dann wird es als bestes, größtes, kleinstes, ältestes, jüngstes, häufigstes, seltenstes, schrecklichstes, gefährlichstes, schlimmstes, harmlosestes, dümmstes, g’scheitestes, unsinnigstes, sinnvollstes … Irgendwas der Neugierde präsentiert.“

Die Kälte der Mindestsicherungsdiskussion in „Was braucht der Mensch zum Leben?“
„Wie viel Geld braucht man, um sich durchs Leben schlagen zu können? Das ist eine schwierige Frage. Aber die österreichische Politik hat zumindest eine relative Antwort darauf: ein Flüchtling kommt mit weniger aus als ein Dasiger.“

Die Geschichte als Erinnerungs-Aufgabe in „Zwei sehr unterschiedliche Wahrzeichen“, ein Text zu Zettwing/Cetviny
„Erinnern ist vor allem eine gemeinschaftliche Aufgabe. Aus dem gemeinschaftlichen Erinnern wird das Versöhnen möglich, das weit über das Sich-damit-Abfinden hinausführt. Alle Anstrengung ins Ermöglichen von Erinnern ist ein Geschenk an die Zukunft. Was immer wir an Erinnerung verschlampen, schmälert die Chancen der Nachkommenden für einen versöhnlichen Start in ihre Zeit.“

Flüchtlinge und Kriminalität in „Das Böse ist immer und überall“
„Es gibt von verschiedenen Seiten ein Interesse in diesem Land, ein Bild der Gefährdung, der zunehmenden Gewalt, der sich zuspitzenden Bedrohungssituation zu zeichnen. Um Aufmerksamkeit heischende Massenmedien und rechtspopulistische Politiker sowie Stammtischler, die in der Runde was erzählen wollen, sowie „unsocial“ media user arbeiten an diesem Bild. An einem Bild, das Angst macht und machen soll.“

Feindselige Gesellschaft in „Vier Feind-Seligkeiten“
„Eine vierte Feindseligkeit pflegt der Stammtisch: die Feindseligkeit der Angst, zu kurz zu kommen. Die Feindseligkeit des Neids, der wie ein Fernglas wirkt: Was andere haben oder bekommen, darauf schaut man mit der Vergrößerungs-Optik. Wirft man aber den Blick auf sich, dreht man das Fernglas um und sieht sich ganz winzig. Aus der Optik-Verzerrung modelliert man Behauptungen, die den Zorn im Land verstärken.“

Das Gottesbild des Fürbitt-Betenden in „Muss ich Gott weichklopfen?“
Warum einem Gott einen Platz in mir gestalten, einem Gott der schwach mit mir ist (wie es Etty Hillesum im „Sonntagmorgengebet“ anspricht), einem Gott, der kein Zauberer ist, der mich aus der Bedrängnis rettet? – „Wenn ich gut zuhöre, betend bin, steigt in mir dazu eine Antwort auf: weil ich jemanden brauche, bei dem ich so aufgehoben bin, dass ich verstanden bin, auch wenn ich mich verstelle. Dass ich verstanden bin, auch dort, wo ich mich selbst nicht verstehe. Dass ich verstanden bin mit aller Freude und aller Not, die ich habe. Wo ich ganz ich sein kann, weil es ein riesengroßes Du gibt, ganz in meiner Nähe, in mir, das ich nicht erst lange suchen muss. Und ich darf in ihm sein. Über dieses Ineinander-Sein bin ich verbunden mit allen und allem, die mir am Herzen liegen. Gott in mir und ich in ihm, das stiftet Gemeinschaft. Stärkende Gemeinschaft.“