Buch mit Themen, die mich 2016 beschäftigten und weiterwirken

 

 

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Ich lade Sie / Euch ein, mir Gedanken zu den Texten im Buch (Zitate daraus siehe weiter unten) zu schreiben: ernst.gansinger@gmail.com

 

Rettendes zu Weihnachten

Der Retter ist geboren!
Seine Schwäche feiern wir:
Eine mieselsüchtige Unterkunft –
ein ordentliches Quartier gibt es nicht für ihn –
kaum jemand nimmt Notiz,
es sind nur Hirten – Randexistenzen der Gesellschaft –
die Zentraleminenzen kommen viel später.

Noch heute ist er in mieselsüchtiger Umgebung.
Quartier bekommt er oft nur bei Menschen in Not.
Die flunkernde Welt nimmt wenig Notiz von ihm.
Wer Stärke sucht,
den irritiert Schwäche.
Im Zentrum ist die Irritation gering,
man sieht ja die Ränder nicht.

Gott ohne Macht, das ist eine Kern-Botschaft –
weit über Weihnachten hinaus. –
Sie birgt den Keim radikaler Veränderung,
gibt den Schwachen Würde, hebt sie über die Eminenzen.
Das Heilende braucht nicht Stärke.
Wir müssen uns nicht retten,
wir müssen nur Gott in uns retten.

Dazu ein paar Zeilen des Sonntagmorgengebetes (12. Juli 1942) aus dem Tagebuch von Etty Hillesum:

Es sind schlimme Zeiten, mein Gott.
Ich verspreche dir etwas, Gott, nur eine Kleinigkeit: Ich will meine Sorgen um die Zukunft nicht als beschwerende Gewichte an den jeweiligen Tag hängen, aber dazu braucht man eine gewisse Übung. Jeder Tag ist für sich selbst genug. Ich will dir helfen, Gott, dass du mich nicht verlässt, aber ich kann mich von vornherein für nichts verbürgen. Nur dies eine wird mir immer deutlicher: dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns letzten Endes selbst …
dass wir dir helfen müssen und deinen Wohnsitz in unserem Inneren bis zum Letzten verteidigen müssen …

In diesem Sinn wünsche ich uns allen eine rettende Gesinnung – zu Weihnachten und für die kommende Zeit!
Ernst Gansinger

 

Ernster Adventkalender 2018

Auch im heurigen Advent öffne ich hier täglich ein Text-Türchen –
knappe adventliche Anstö
ße

23. und letztes Türchen, Hl. Abend, 24. Dezember
Berührt unberührt. Alle Jahre berührt uns der armselig Mensch-Gewordene, das Kind in der Krippe. Und dann? – Streben wir weiter nach einem reichseligen Leben.

22. Türchen, 4. Adventsonntag, 23. Dezember
Leben in Fülle. Menschen sehnen sich nach einem Leben in Fülle und füllen das Leben mit tausend Dingen an, sodass die Fülle keinen Platz mehr hat.

21. Türchen, 22. Dezember
Leisten. Die reiche Gesellschaft leistet sich viel – sogar die Armut in ihr.

20. Türchen, 21. Dezember, Winterbeginn
Gehen. „Wie geht‘s dir denn?“ und „Ich muss wieder gehen!“ – Die Frage am Beginn einer Begegnung und der oft bald darauf folgende Hinweis, das Gespräch wieder beenden zu müssen, tragen den gleichen Schuh. Es ist ein Laufschuh.

19. Türchen, 20. Dezember
(V)erinnern. Wenn sich das Gedächtnis an ein gutes Gespräch längst nicht mehr gut erinnert, hat es das Gefühl gut verinnert.

18. Türchen, 19. Dezember
Zu. Vielen fällt es leichter zu schauen, als zu hören. Das gilt besonders, wenn sich das Schauen und das Hören an das Wort „zu“ anhängenzuschauen, zuhören.

17. Türchen, 18. Dezember
Teilen. Würde alles geredet, was auf elektronischem Weg mitgeteilt und geteilt wird, wäre auf dieser unendlich geteilten Welt ein ungeteilter Höllenlärm.

16. Türchen, 17. Dezember
Wüste. Manche Menschen führen ein tristes Wüstenleben. Sie sind Verirrte in  einer seelischen Wüste. – Fallen die Rufe aus der Oase vernehmbar aus?

15. Türchen, 3. Adventsonntag, Sonntag Gaudete „Freuet Euch!“, 16. Dezember
Freude. Die Freude kennt keinen Geiz; sie wächst an der Mitfreude anderer.

14. Türchen, 15. Dezember
Pferd oder Mut.Wer die Wahrheit sagen will, braucht ein schnelles Pferd!“ – So weiß es ein mongolisches Sprichwort. – Es ginge aber auch ohne Pferd: mit Mut!

13. Türchen, 14. Dezember
Lauter. Ein lauter Mensch kann sich Sprachbreschen schlagen. Ein lauterer Mensch springt in die Bresche, wenn diese in die Mauer des Anstands geschlagen ist.

12. Türchen, 13. Dezember, Luzia
Scheinwerfer. Wer auf andere den Scheinwerfer richtet, ist im blendenden Versteck, aus dem sich leicht richten lässt.

11. Türchen, 12. Dezember
Zeihen. Sind wir nicht oft wie Windhunde beim Zeihen und lahme Enten im Verzeihen?

10. Türchen, 11. Dezember
Zustehen. Was mir zusteht, ist nicht so bedeutend. Wozu ich stehe, ist bedeutender. Noch viel wichtiger ist, dass jemand zu mir steht.

9. Türchen, 10. Dezember, Tag der Menschenrechte
Schwäche. Es braucht auch ein Menschenrecht auf Schwäche. 

8. Türchen, 2. Adventsonntag, 9. Dezember
Verstanden sein. Verstanden wird man nicht mit dem Verstand.

7. Türchen, 8. Dezember, Marien-Feiertag, für viele der Einkaufstag
Einkauf. Es heißt einkaufen, aber viele haben es zum Hundertkaufen entwickelt.

6. Türchen, 7. Dezember
Ruhe.  Wir wollen in Ruhe gelassen werden, und bedenken nicht, dass wir gar nicht in Ruhe sind.

5. Türchen, 6. Dezember, Nikolo
Schenken. Mit jedem Geschenk erzählen wir viel über uns.

4. Türchen, 5. Dezember
Zeit haben. Kann es sein, dass viele deswegen so wenig Zeit haben, weil sie diese totgeschlagen haben?

3. Türchen, 4. Dezember, Barbara
Wärme. Wir schenken kahlen Zweigen Wärme, weil wir wissen, dass sie dadurch aufblühen können. – Das kann auch bei Menschen funktionieren!

2. Türchen, 3. Dezember
Aufhören. Wenn wir aufhören, aufeinander zu hören, hört sich alles auf.

1. Türchen, 2. Dezember, 1. Adventsonntag
Warten. Das Warten ist reich. Es hat zum Beispiel eine Bank, einen Saal, ein Häuschen, sogar eine eigene Zeit. Doch nicht viele lockt dieser Reichtum.

 

Ernster Adventkalender 2017

Auch im heurigen Advent öffne ich hier täglich ein Text-Türchen –
knappe adventliche Anstö
ße

22. Türchen, 24.12., 4. Adventsonntag, der zum Heiligen Abend wird
Heilen. Ein wehrloses Kind soll der Welt Heil bringen? – Die streitbaren Großen haben schon tausendfach Unheil gebracht!
21. Türchen, 23. 12.
Schenken. Je mehr sich ein Mensch selbst heraushält, desto eher stopft er das entstehende Loch mit Geschenken.
20. Türchen, 22. 12.
Türme.
Wir kennen Aussichtstürme, aber keinen einzigen Einsichtsturm.
19. Türchen, 21. 12., Winterbeginn
Solidarität. Solidarität ist Glühwein bei sozialem Frost.
 
18. Türchen, 20. 12.
Warten. Warten ist wortverwandt mit der Warte, dem Ausguck. Mit Einguck – der Schau nach innen – ist „warten“ nicht verwandt.
17. Türchen, 19. 12.
Nicht fürchten. Die Menschenkennerin Bibel ermutigt 366 mal: fürchte dich nicht! – Furcht kapselt das Vertraute ein, Vertrauen ermöglicht Neuem, vertraut zu werden. 

16. Türchen, 18. 12.
Ziele. Überall kommen wir hin, nur kaum noch zu uns.

15. Türchen, 17. 12., 3. Adventsonntag
Stille. Zwischenmenschliche Funkstille taucht im Lärm der stillsten Zeit unter.

14. Türchen, 16. 12.
Geben. Vorgeben fällt leichter als nachgeben.

13. Türchen, 15. 12.
Schweigen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. – Geht es um Mut, haben wir uns schon eine Schatzkammer erschwiegen.

12. Türchen, 14. 12.
Vollmundig. Mit vollem Mund spricht man nicht, sagt der gute Ton. Vollmundigen aber geht es um den lauten Ton.

11. Türchen, 13. 12., Gedenktag der hl. Luzia
Licht. Die Lichtflut erhellt die Auslagen, aber nicht unsere Innenlagen.

10. Türchen, 12. 12.
Schein. Hinter dem grellen Licht des Scheinbaren ist das Unscheinbare verborgen.

9. Türchen, 11. 12.
Hetzen. Es wird so viel gehetzt. Selbst auf Weihnachten zu hetzen Menschen – und vergehen sich so am Fest.

8. Türchen, 10. 12., 2. Adventsonntag
Umkehr. Zum Umkehren müssen wir vom Gas steigen.

7. Türchen, 9. 12., am Vorabend des Tages der Menschenrechte
Aufreißen und dicht machen. O Heiland, reiß die Himmel auf; auf Erden machen wir dann dicht. Reiß ab, wo Schloss und Riegel für; und Zäune hier errichten wir.

6. Türchen, 8. 12., Feiertag, den viele als Einkaufstag nutzen
Konsequenz. Der Wein aus Südafrika, die Äpfel aus Chile, die Schuhe aus China … der Jammer aus der Region.

5. Türchen, 7. 12.
Miteinander. Jeder und jede ist anders. – Es könnte ein gutes miteinanderes Leben sein.

4. Türchen, 6. 12., Nikolo-Tag
Verschenken. Mancher meint, er hätte nichts zu verschenken. – Nicht einmal Aufmerksamkeit?

3. Türchen, 5. 12.
Dahinter. Hinter den Zäunen und Mauern taumelt das Glück der Abgeschiedenheit leicht ins Unglück der Einsamkeit.

2. Türchen, 4. 12., Tag der hl. Barbara, die – so die Legende – einen verdorrten Zweig wieder blühen ließ..
Aufblühen. Zuwendung ist der Dung, der Menschen zum Blühen bringt.

1. Türchen, 3. 12., 1. Adventsonntag
Erwarten. Menschen erwarten viel und können’s nicht erwarten.

 

Weihnachten 2016

Der Zwiespalt von Weihachten

Glaubende rühmen Gott, der sich klein und schwach macht,
und wollen selber groß und stark sein.

Glaubende besingen die stille, ruhige Nacht
und bleiben in der Lärmwelt, hetzen bis zum Schluss.

Glaubende loben die Hirten, die sich als erste auf den Weg machen,
und bleiben in ihren Schutzräumen.

Glaubende sind ergriffen von der Ermunterung „fürchtet euch nicht“
und werden immer ängstlicher zu verlieren.

Glaubende hören von den Engeln
und erkennen sie mitten unter ihnen nicht.

Glaubende feiern die Menschwerdung
und leben sie nicht.

Ich wünsche Euch eine glaubensstarke Weihnachtszeit: Mut zur Kleinheit und zur Schwäche, Gelassenheit und Ruhe, ein Herz zum Verlassen der Schutzräume, weniger Angst, den Sinn für Engeln mitten unter uns und den Mut zum Leben und Lieben, zur Menschwerdung.

Ernst

Ernster Adventkalender 2016

Im Advent öffne ich hier jeden Tag ein Text-Türchen: knappe adventliche Anstöße

28. und letztes Türchen, Samstag, 24. Dezember
Aufbrechen.  Fürchtet euch nicht! – Diese Engelsbotschaft kann uns allen Mut machen aufzubrechen … unseren Panzer aufzubrechen.
27. Türchen, Freitag, 23. Dezember
Putzen. Christbäume werden aufgeputzt, die Wohnungen geputzt, Menschen putzen sich heraus. – Dass wir  uns nicht am Eigentlichen vorbeiputzen!

26. Türchen, Donnerstag, 22. Dezember
Zuwendung.  Ganz oben auf der Zuwendungs-Leiter: ich bin bei dir!  Darunter: ich schreib Dir. Dann: ich ruf Dich an. Und zuletzt: ich denk an Dich. – Zuwendung ist keine Denkaufgabe. Viele aber müssen sie sich denken.

25. Türchen, Mittwoch, 21. 12., Namenstag des „ungläubigen“ Thomas (vor der Liturgiereform, dann wurde es der 3. Juli)
Zweifel.  Die Ungläubigkeit der Zweifelnden regt an; die Gläubigkeit der Zweifellosen regt auf; sie sind Ich-Glaubende.

24. Türchen, Dienstag, 20. 12.
Verlassen.  „Darauf kann ich mich verlassen, dass ich am Heiligen Abend verlassen bin“, klagt ein einsamer Mensch. – Es ist die Verlassenschaft einer ausgelassenen Gesellschaft, die sich auf nichts einlässt.

23. Türchen, Montag, 19. 12.
Konsum. In der Konsum-Gesellschaft ist Konsum-Enthaltung verpönt … außer man konsumiert Enthaltung.

22. Türchen, Sonntag, 18. 12., 4. Adventsonntag
Munden.  Was uns schmeckt, mundet uns. Es ist seltsam: Für den Gefallen des Ohrs und des Auges gibt es kein ähnlich abgeleitetes Wort: Nichts ohrt uns, nichts augt uns. – Es käm‘ doch so vieles dafür in Frage!

 21- Türchen, Samstag, 17. Dezember 
Sehen.  Das Fernsehen hat dem Nahsehen das Nachsehen gegeben. Gesehen wird, was fern ist. Der ganzen Welt rücken wir nahe, nur nicht der nahen.
 20. Türchen, Freitag, 16. Dezember
Hören. Wem gehörst du denn? – So werden kleine Kinder gefragt. – Es heißt: Auf wen hörst du, wem vertraust du? Kinder wissen darauf eine Antwort. Und Erwachsene?

19. Türchen, Donnerstag, 15. 12.
Wie geht’s dir denn? Die Frage ist schnell gestellt. Eine Antwort zu erwarten ­- dafür fehlt oft die Zeit. Uns geht’s nicht mehr, uns eilt’s.

18. Türchen, Mittwoch, 14. 12.
Keine Zeit. Das Viele aufzählend, was er noch alles tun muss,  entschuldigt ein Mensch, keine Zeit zu haben. – Woher nimmt er eigentlich die Zeit für das Viele?
 17. Türchen, Dienstag, 13. 12., Luzia
Licht. Wer ins Licht schaut, sieht nicht dahinter. – Tausende Lichter, mit denen wir den äußeren Advent schmücken, schirmen manch dunklen inneren Advent ab.

16. Türchen, Montag, 12. 12.

Advent. Es ist immer weniger Advent und immer mehr Event.
15. Türchen, So, 11. 12., 3. Adventsonntag, Sonntag Gaudete – freut euch!
Freude. An der Lärmwand der Gaudi scheuert sich die Freude wund.
14. Türchen, Samstag, 10. 12., Tag der Menschenrechte, Advent-Halbzeit
Recht.  Weit hat es das Recht gebracht: Mir ist alles recht, sagt einer, und meint, es sei ihm egal.

13. Türchen, Freitag, 9. 12.
Kosten.  Menschen stürzen sich in hohe Kosten, um das Leben zu kosten. Doch kosten und Kosten stehen in keiner Beziehung.  Ein Verwandter von „kosten“ hingegen ist der Gusto. Lebensappetit ist nicht kaufbar, aber kostbar.

12. Türchen, Donnerstag, 8. 12.,Feiertag, für viele ein Einkaufstag
Kaufen.  Der Gabentisch am Heiligen Abend wird vielfach zum Tisch der Verausgabung.

11. Türchen, Mittwoch, 7. 12.
Takt.  Zum Walzertanzen braucht es Takt, sagte Van der Bellen in einer ersten Rede zu seinen Vorhaben als Bundespräsident. Zu ergänzen wäre: es braucht im ganzen Stammtisch-Land Taktschulen.

10. Türchen, Dienstag, 6. 12. 2016, Nikolotag
Schenken.  Was haben wir aus dem Schenken gemacht! – „Geschenkt!“ meint: ist nicht der Rede wert. „Das schenk ich mir“ bedeutet: das mach ich nicht. Einem wird nichts geschenkt außer Härte und einem anderen wird kräftig eingeschenkt.

9. Türchen, Montag, 5. 12. 2016
Erwarten.  Wir erwarten uns so viel und können es kaum erwarten.

8. Türchen, 2. Adventsonntag, Barbara, Tag der BP-Wahl, 4.12.
Stimmen. Wenn wir die Stimme gegen Unstimmiges nicht erheben, schaffen wir eine verstimmte Gesellschaft.

7. Türchen, Samstag, 3.12.
Kleinlaut.
 Kleinlaut wünsche ich uns mehr Kleinlaute! Während sie sich verhalten ausdrücken, sind Großmäuler anhaltend von sich beeindruckt.

6. Türchen, Freitag, 2.12.
Mut.
 Du brauchst mehr Mut,  spottete der Hochmut  über den Kleinmut.
Der nahm allen Unmut zusammen und sagte: Ja, Demut!
 

5. Türchen, Donnerstag, 1.12.
Verloren. Hier irrt die Sprache: „in Gedanken verloren“.  – Man findet sich in Gedanken. Ich wünsch uns eine große „Gedanken-Verlorenheit“.

4. Türchen, Mittwoch, 30. 11.
Besuch. Ich habe mich besucht. Ich habe Zeit mit mir verbracht.

3. Türchen, Dienstag, 29. 11
Stillen. Menschen wollen ihre Sehnsüchte stillen, machen aber das Gegenteil: sie lärmen sie.

2. Türchen, Montag, 28. 11.
Worte.  Der Mensch möchte beantwortet sein, wird aber bewortet.

1. Türchen, Erster Adventsonntag, 27. 11. 2016
Adventalarm. Lärm und Alarm  haben gemeinsame italienische Urgroßeltern: „alle arme!“ (zu den Waffen!) – Im Advent lärmt die Geldwaffe besonders.

 

Zitate aus den Texten des Buches
„Das Zeitliche segnen“               

Der fehlende Selbstzweifel in „Zweifellos“
„Der Mensch neigt dazu, sich als Maß zu nehmen, seinen Horizont als den für alle gewünschten Horizont zu erkennen. An diesem Maß und von diesem Horizont her wird die Welt gedeutet und verstanden: Meins ist richtig, Deins nur dann, wenn es ist wie meins. Es ist eine einfache Schnur, die durch das Leben führt. Ein Absperrband, das meinen Denkbezirk frei hält von Denkeintritten aus den umliegenden Bezirken.“

Tierliebe in „Der Hund des Königs“
“ Im Schreiben wurde mir immer deutlicher bewusst, wie groß das Vorbild Tier für den großen Mangel unserer Zeit sein kann: Beziehung.“

 Nicht heraushalten! in „Den Worten nachgehen“
„Ich verstehe für mich: Christsein ist unmöglich im unschuldigen Raum möglich. Es fordert mich mitunter auf, „schuldig“ zu werden.“

Die Haltung den Flüchtlingen gegenüber in „Der Fremde, ein Feind“
„Wie ein Wort – ‚Willkommen!‘ – so in Verruf kommen, so unwillkommen werden kann! Noch dazu ein Wort, das einen Wert vorstellt, von dem man sich verabschieden will, ohne ihn je wirklich als Gesamtgesellschaft praktiziert zu haben! Nun aber ist der Wert in Grund und Boden gestampft. Fortan soll es keine Kultur mehr sein, Fremde willkommen zu heißen. In uns stecken halt doch ein Indogermane und das Altertum, steckt das Gefühl, das Griechen und Römer in ein gemeinsames Wort für Gast und Feind gossen. Eben noch Gast, dann Feind, oder auch umgekehrt.“

Zuschauen und Alles-Kommentieren in „Teilnehmen statt Anteil nehmen“
„Die zur Teilnahme-Gesellschaft gewordene Medien-Muppet-Show hat die Anteilnahme verlernt. Vom Balkon der Heraushaltung werden Bilder vermeintlicher Ideale hochgehalten. Brot und Spiele verlangen Statler und Waldorf, koste es, was es wolle – bei den anderen … Zur Anteilnahme sind die Menschen am Boulevard der Adabeis nicht mehr fähig. Anteilnahme verkümmert zur bloßen Teilnahme am Marathon der vielen Sensationen oder zu Sensationen aufgemascherlten Ereignissen.“

Der Stammtisch in „Ihr Recht geht vom Volk aus“
„Der Stammtisch ist längst nicht nur ein Tisch, ein Ort, an dem sich die kollektiv am gleichen Meinungsstrang Ziehenden treffen, sich gegenseitig bestätigen, Themen aufschaukeln, Haltungen würdigen oder kreuzigen. Er ist nicht nur ein Tisch, an dem die Tischgesellschaft das Rote Meer der Meinungen teilt – links die guten, rechts die verdammten – und so nasser Zunge durch Vorurteile und Gerüchte in die Wüste unverrückbarer Meinungen eilt. Der Stammtisch ist überall, überall, wo seichtes Wasser ist, das sich leicht aufstauen lässt. Staumaterial liefern Medien vor allem damit, was sie an Fragezeichen zu Rufzeichen verbiegen. Dazu kommen Postings von Mediennutzer/innen, die ihre Rufzeichen zu Pfeilen spitzen, Einträge in social media, Entrüstungen in der Straßenbahn und beim Kaffeekränzchen, Liegewiesen-Welterklärungen und vieles mehr. Stammtisch ist überall dort, wo die „Volksseele“ kocht, alles verkocht, faschiert, filetiert, paniert, erhitzt, gardampft, was ihr gerade unterkommt.“

Der Umgang mit Außenseitern und Gestrandeten in „Der Liegende, an dem vielen nichts liegt“
„Heimat bedeutet: Nicht links liegen gelassen zu werden, eingehängt, gestützt zu sein, von sich reden zu können, von den Wünschen, Ängsten und Hoffnungen, Sinn und Platz zu haben, dazu zu gehören, sich wenigstens ein bisschen auch wohl zu fühlen. Solange diese Welt nicht für alle in diesem Sinn eine Heimat ist – und davon ist sie weit entfernt – solange müssen die Beheimateten unruhig wegen der vielen Heimatlosen sein. Unruhig auch über das Links-liegen-Lassen so vieler Außenseiter.“

Die Gier nach Sensationen in „Hoppala, so viele Superlas“
„Unsere Zeit ist süchtig nach Superlativen. Im weltweiten Surfnetz wird die Sucht optimal bedient. Gewöhnliches wird ins Gewöhnlichste gesteigert. Dann wird es als bestes, größtes, kleinstes, ältestes, jüngstes, häufigstes, seltenstes, schrecklichstes, gefährlichstes, schlimmstes, harmlosestes, dümmstes, g’scheitestes, unsinnigstes, sinnvollstes … Irgendwas der Neugierde präsentiert.“

Die Kälte der Mindestsicherungsdiskussion in „Was braucht der Mensch zum Leben?“
„Wie viel Geld braucht man, um sich durchs Leben schlagen zu können? Das ist eine schwierige Frage. Aber die österreichische Politik hat zumindest eine relative Antwort darauf: ein Flüchtling kommt mit weniger aus als ein Dasiger.“

Die Geschichte als Erinnerungs-Aufgabe in „Zwei sehr unterschiedliche Wahrzeichen“, ein Text zu Zettwing/Cetviny
„Erinnern ist vor allem eine gemeinschaftliche Aufgabe. Aus dem gemeinschaftlichen Erinnern wird das Versöhnen möglich, das weit über das Sich-damit-Abfinden hinausführt. Alle Anstrengung ins Ermöglichen von Erinnern ist ein Geschenk an die Zukunft. Was immer wir an Erinnerung verschlampen, schmälert die Chancen der Nachkommenden für einen versöhnlichen Start in ihre Zeit.“

Flüchtlinge und Kriminalität in „Das Böse ist immer und überall“
„Es gibt von verschiedenen Seiten ein Interesse in diesem Land, ein Bild der Gefährdung, der zunehmenden Gewalt, der sich zuspitzenden Bedrohungssituation zu zeichnen. Um Aufmerksamkeit heischende Massenmedien und rechtspopulistische Politiker sowie Stammtischler, die in der Runde was erzählen wollen, sowie „unsocial“ media user arbeiten an diesem Bild. An einem Bild, das Angst macht und machen soll.“

Feindselige Gesellschaft in „Vier Feind-Seligkeiten“
„Eine vierte Feindseligkeit pflegt der Stammtisch: die Feindseligkeit der Angst, zu kurz zu kommen. Die Feindseligkeit des Neids, der wie ein Fernglas wirkt: Was andere haben oder bekommen, darauf schaut man mit der Vergrößerungs-Optik. Wirft man aber den Blick auf sich, dreht man das Fernglas um und sieht sich ganz winzig. Aus der Optik-Verzerrung modelliert man Behauptungen, die den Zorn im Land verstärken.“

Das Gottesbild des Fürbitt-Betenden in „Muss ich Gott weichklopfen?“
Warum einem Gott einen Platz in mir gestalten, einem Gott der schwach mit mir ist (wie es Etty Hillesum im „Sonntagmorgengebet“ anspricht), einem Gott, der kein Zauberer ist, der mich aus der Bedrängnis rettet? – „Wenn ich gut zuhöre, betend bin, steigt in mir dazu eine Antwort auf: weil ich jemanden brauche, bei dem ich so aufgehoben bin, dass ich verstanden bin, auch wenn ich mich verstelle. Dass ich verstanden bin, auch dort, wo ich mich selbst nicht verstehe. Dass ich verstanden bin mit aller Freude und aller Not, die ich habe. Wo ich ganz ich sein kann, weil es ein riesengroßes Du gibt, ganz in meiner Nähe, in mir, das ich nicht erst lange suchen muss. Und ich darf in ihm sein. Über dieses Ineinander-Sein bin ich verbunden mit allen und allem, die mir am Herzen liegen. Gott in mir und ich in ihm, das stiftet Gemeinschaft. Stärkende Gemeinschaft.“