Christi Himmelfahrt in Zeiten des Hochfahrens

Der Gründer der Pfadfinder, Baden Powell, hat uns Pfadis in seinem Abschiedsbrief ermutigt: „Lebt so, dass ihr die Welt ein Stück besser hinterlässt, als ihr sie angetroffen habt!“ – Ich hab das für mich übersetzt: holt ein Stück Himmel auf die Welt oder rückt sie ihm ein Stück näher. Heute könnte man, weil wir es so oft hören, sagen: fahrt die Welt hoch!

Ich bin Pfadfinder und zitiere anlässlich Christi Himmelfahrt Baden Powells Abschiedsbrief an die boy scouts in fast voller Länge. Baden Powell, der 1941 gestorben ist, hat den Brief wahrscheinlich schon 1929 – „für alle Fälle“ – geschrieben. (Ein bisschen Geschichte muss sein: Das erste Pfadfinderlager mit Buben organisierte Baden Powell 1907; schon 1909 fuhren auch Pfadfinderinnen auf Lager).
Der etwas gekürzte Abschiedsbrief:

„Mein Leben war glücklich, und ich möchte nur wünschen, daß jeder von Euch ebenso glücklich lebt.
Ich glaube, Gott hat uns in diese Welt gestellt, um darin glücklich zu sein und uns des Lebens zu freuen. Das Glück ist nicht die Folge von Reichtum oder Erfolg im Beruf und noch weniger von Nachsicht gegen sich selbst. Ein wichtiger Schritt zum Glück besteht darin, daß Ihr Euch nützlich erweist und des Lebens froh werdet, wenn Ihr einmal Männer sein werdet.
Das Studium der Natur wird Euch all die Schönheiten und Wunder zeigen, mit denen Gott die Welt ausgestattet hat. Euch zur Freude. Seid zufrieden mit dem, was Euch gegeben ist, und macht davon den bestmöglichen Gebrauch. Trachtet danach, jeder Sache eine gute Seite abzugewinnen.
Das eigentliche Glück aber findet Ihr darin, daß Ihr andere glücklich macht. Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als Ihr sie vorgefunden habt.
Wenn dann Euer Leben zuende geht, mögt Ihr ruhig sterben im Bewußtsein, Eure Zeit nicht vergeudet, sondern immer Euer Bestes getan zu haben.
Seid in diesem Sinn „allzeit bereit“, um glücklich zu leben und glücklich zu sterben. – Haltet Euch immer an das Pfadfinderversprechen, auch dann, wenn Ihr keine Buben mehr seid.
Euer Freund
Baden Powell of Gilwell

Emmaus – als ihnen ein Licht aufging

Ich habe seit Jugendtagen Probleme mit der Emmaus-Geschichte (Lk 24,13-35). Die kommt mir an den Haaren herbeigezogen vor. Da geht der auferstandene Jesus mit zwei Jüngern, die um ihn weinen, und sie erkennen ihn nicht … Und dann (nach wie vielen Stunden?) unerkannt bleiben, erkennen sie ihn an einer Geste, am Brot-Brechen. Nun hat mich die Pastoralassistentin Magda Froschauer herausgefordert und gemeint, ich solle die Geschichte schreiben, wie ich sie verstehen würde, – Das ist daraus geworden:

Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.Sie sprachen miteinander über alles, was sich ereignet hatte.
Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten,
dass ihnen immer deutlicher das Bild von diesem Jesus, der ihnen so nahe war, vor Augen stand. Sie erinnerten sich an viele Begebenheiten mit Jesus und kamen geradezu ins Schwärmen von Jesus, dem Propheten, der mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk war. Je mehr sie in ihren Erinnerungen kramten und diese austauschten, desto schwerer wurde ihnen ums Herz. Sie weinten darum, was sie alles verloren hatten. Dass da in ihnen nicht nur Erinnerung war, sondern auch Zukunft, waren sie sich nicht bewusst. Zu schwer lag die Trauer auf ihnen. Zu groß war die Enttäuschung, dass ihre Hoffnung auf einen Erlöser nun ans Kreuz genagelt wurde und begraben ist. Es waren schlimme drei Tage des Erkennens, dass alles aus ist. – So redeten die zwei miteinander und waren sich einig, dass das Gerede da und dort, diese Hoffnung lebe weiter, nur ein Geschwätz sein kann. Das Grab sei leer vorgefunden worden. Das war nicht zu glauben. Und sicher wieder eines dieser Hirngespinste, das Hoffnung aufscheucht und dann fallen lässt. Während sie so redeten, kamen ihnen auch Schriftstellen in den Sinn, die vom Leiden und von der Überwindung des Todes handelten. Davon, dass dem Leiden die Herrlichkeit folge. Aber wie sollen diese Stellen mit Jesus zu tun haben? Schöne Geschichten, aber kein Trost, sagten sie sich gegenseitig.
Während sie so miteinander sprachen, verging rasch die Zeit. Sie erreichten das Dorf und das Haus, das ihr Ziel war. Das Gespräch unterwegs hatte sie so sehr aufgewühlt, dass sie unbedingt weiterreden wollten, dazu aber auch Stärkung brauchten.
Als sie mit dem Mahl beginnen wollten, nahm einer das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und teilte es aus. So wie es ihnen Jesus vorgelebt hat. Da ging ihnen ein Licht auf und es wurde ihnen klar, dass sie nachfolgen sollen und können. Nicht mehr Erinnerung allein ist es, was sie nährt, sondern das Tun jetzt und in Zukunft. Das Herz brannte ihnen wegen dieser Einsicht und es hielt sie nicht mehr länger an diesem Ort. Sie mussten zurück zu den anderen und ihnen davon erzählen, was ihnen aufgegangen war. Als sie die Jünger in Jerusalem trafen, erzählten viele ganz Ähnliches. Sie haben begriffen, dass es mit dem Tod Jesu nicht damit aus ist, wozu Jesus ermutigt hat: die Menschen, insbesondere die am Rand in die Gemeinschaft zu holen und Gott als unendlich Liebenden zu verstehen. Ins Reich Gottes sind alle berufen!

Audio-Dokumente

Seit ein paar Monaten arbeite ich beim Seniorenradio (ein Sendeplatz bei RADIO FRO – Freies Radio Linz) mit. Meine Sendung (an vielen Donnerstagen, immer von 9 bis 10 Uhr) trägt den Titel „Unter uns – Besondere Menschen im Gespräch mit Ernst Gansinger“.

Mein nächster Gast – am 1. Oktober 2020 – ist Univ.-Prof Dr. Michael Rosenberger von der Katholischen Privat-Universität Linz. Sein Fach ist die Moraltheologie. So nahe am Gedenktag des hl. Franziskus (4. Oktober), der auch in Zusammenhang mit ihm „Welttierschutztag“ ist, liegt es nahe, auf die Beziehung Mensch – Tier zu schauen. Gerade für ältere Menschen ist ein Tier oft der treueste Freund, ob Hund, Katze, Vogerl, … Andererseits geht die Gesellschaft oft brutal mit Tieren um. Vorrangigee Motive dabei sind, den Tisch der Menschen billig zu decken oder die Umwelt raubbauend wirtschaftlich zu nutzen. In diese zwiespältige Haltung hinein – da Liebe, dort Hiebe, da um-sorgen, dort um-bringen – frage ich den Ethiker Rosenberger: Bereitet der Mensch den Tieren die Hölle auf Erden? Und was wäre in einer tierethischen Haltung dringend zu tun und zu unterlassen? Ein zweites Hauptthema interessiert mich, das vielen alten Menschen aus dem Herzen spricht, die ein inniges Verhältnis zu ihrem Haustier haben. Sie quält der Gedanke, ob das Tier, wenn es gestorben ist, wie eine kaputte Sache untergeht. Also frage ich: Kommen Tiere auch in den Himmel? 

Radio FRO ist im Großraum Linz auf 105 MHz zu hören, im Gebiet des Senders Goldwörth auf 102,4 MHz und sonst weltweit via Livestream unter www.fro.at/livestream.

Hier verlinke ich zu vielen schon ausgestrahlten Sendungen zum Nachhören auf die Homepage von Radio FRO:

24. September 2020: Meine Gäste waren Andrea Windpassinger und Sybille Perfler-Aichinger. Die beiden Frauen arbeiten bei „VertretungsNetz“ in Linz. Die Überschrift über ihre Arbeit könnte lauten: „Im Interesse eines anderen Menschen“. Die früher vor allem unter „Sachwalterschaft“ bekannte Einrichtung bündelt mittlerweile mehrere Aufgaben: Erwachsenenvertretung, Patientenanwaltschaft sowie Bewohnervertretung. Der Verein VertretungsNetz bietet  Registrierungen  für gewählte und gesetzliche Erwachsenenvertretungen neben den Notaren und Anwälten an. Weiters werden persönliche und telefonische Beratungen  sowie Schulungen von privaten Erwachsenenvertretern angeboten. Wir sprachen über Personen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung oder kognitiver Beeinträchtigung, ihre Angelegenheiten nicht mehr entsprechend selbst erledigen können. Im Besonderen ging es um die vier Arten der Erwachsenenvertretung – Vorsorgevollmacht, gewählte, gesetzliche und gerichtliche Erwachsenenvertretung (letztere ist am ehesten zu vergleichen mit der früheren Sachwalterschaft).  Grundlage ihrer Arbeit ist das Erwachsenenschutzgesetz (Juli 2018). Die Zahl gerichtlicher Erwachsenenvertretung ist in den letzten zwei Jahren um 17 Prozent gesunken. Das Prinzip – so lange und so viel wie möglich vor einer gerichtlich angeordneten Vertretung andere Unterstützungen auszuschöpfen (Familie, soziales Umfeld, …) wirkt, und mehr Selbstbestimmung wird ermöglicht. Ratsam ist, möglichst bald, am besten, bevor die Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt ist, die Vertretung zu regeln (Vorsorgevollmacht).

Im Interesse eines anderen Menschen

17. September 2020: Mein Studiogast war Mümtaz Karakurt, der Geschäftsführer des Vereins migrare. Migrares oberstes Ziel ist es, die Chancengerechtigkeit von MigrantInnen und ein faires Miteinander zu fördern. Migrare – das Zentrum für MigrantInnen – hat seinen Sitz in Linz und etwa zehn Außenstellen in OÖ und Salzburg. Es besteht seit 35 Jahren. Die MitarbeiterInnen können in etwa 15 Sprachen Beratung leisten.
Einer „multikulti“-Gesellschaft stehen viele ÖsterreicherInnen skeptisch gegenüber. Statt des kulturellen Reichtums wird eine Bedrohung gesehen. Mümtaz Karakurts Antwort auf solche Skepsis ist: Menschen nicht nach ihrer Herkunft „einkasteln“, sondern danach beurteilen, was sie tun, welchen Beitrag sie für das gemeinsame Österreich leisten (können) und wie bereichernd ein Zusammenleben der Kulturen sein kann. Eine solidarische, demokratische Gesellschaft profitiert von der Vielfalt und dass sie deren Wert erkennt. 
Wir sprachen über die Situation von Zugewanderten, auch die der zweiten und dritten Generation. Wie unterscheidet sich die Lebensrealität von zugewanderten Frauen und Männern? Mit welchen Hoffnungen/welchen Zusagen sind die Menschen zu uns gekommen („Arbeitskräfte haben wir gerufen, Menschen sind gekommen!“)? Wie leben die Menschen heute, wie ist ihre soziale Situation? Wie hindernisreich ist Integration? – Integration ist keine Aufgabe der einen, zu deren Einforderung die anderen berechtigt wären. Integration ist eine beidseitige Angelegenheit. – Was bedeutet Heimat? – Heimat sei dort, wo man sich wohl fühlt, sagt Mümtaz Karakurt und weist darauf hin, dass es nicht um Einheimische und Zugewanderte geht. Zugewanderte sind oft „zweiheimisch“ oder „mehrheimisch“. –  Wir sprachen auch über den politischen Islam, die Gefahren von Rechtsradikalismus und über die gemeinsame Pflicht, sich an Regeln zu halten. –  Eine Stunde Plädoyer für mehr Respekt und gegenseitige Achtung, für ein Ende von Ausgrenzung!
https://cba.fro.at/465433

3. September 2020: Mein Studiogast war der ehemalige EU-Parlamentarier (2011 – 2019) Joe Weidenholzer.  Weidenholzer war in verschiedenen Ausschüssen des EU-Parlaments tätig (ua mit den Materien Menschenrechte, Grundrechte, und Asyl befasst), war dort auch Vizepräsident der Fraktion der Sozialdemokraten und Sozialisten (S&D). Er hat sich schon vor seiner Zeit als europäischer Abgeordneter in vielen Bereichen engagiert – in Lehre und Forschung als Universitätsprofessor (Gesellschafts- und Sozialpolitik), als Präsident der Volkshilfe Österreich und Präsident der europäischen NGO-Plattform Solidar, als Obmann des Vereins Museum Arbeitswelt Steyr, als Mitinitiator von „Land der Menschen – Aufeinander zugehen“ und als Gründungsmitglied des Vereins Schloss Hartheim. Der gebürtige Innviertler (St. Florian am Inn) lebt heute vor allem in Bad Goisern am Hallstätter See, aber auch in Linz.
Das alles fließt in das Gespräch ein, das aber einen Schwerpunkt hat: die EU und ihre großen Herausforderungen, etwa eine Politik der Solidarität. Joe Weidenholzer war vielfach – auch im Auftrag der EU – in den Krisengebieten des Nahen und Mittleren Ostens sowie in europäischen Flüchtlingslagern. Schwerpunkte seiner parlamentarischen Tätigkeit waren unter anderem die weltweite Situation der Menschenrechte und der Schutz der Grundrechte (inklusive Asyl- und Migrationsfragen). Er setzte sich unermüdlich für eine humane Flüchtlingspolitik ein. Das tut er bis heute, jetzt halt nicht mehr als europäischer Abgeordneter, aber als Privatperson, der noch immer mit Gewicht das Wort ergreift.
https://cba.fro.at/464156

27. August 2020: Mein Gast war der Haslacher Adi Hohensinn. Flüchtlinge brauchen Hilfe. Europa, vor allem auch Österreich zeigen ihnen aber die kalte Schulter. Manche Menschen und NGOs zeigen ein warmes Herz. Einer dieser Menschen ist Adi Hohensinn aus Haslach. Er ist Gast meiner Sendung. Der heute 82jährige war in seiner Berufszeit mit der VOEST, Industrieanlagenbau, viele Jahre in Ländern des arabischen Raums, insbesondere in Syrien. Die Menschen in Syrien erlebte er als tolerant und gastfreundlich, die Gesellschaft war weitgehend offen. Die Tragik der kriegerischen, terroristischen Auseinandersetzungen mit dem ungeheuren Flüchtlingselend hat ihn zu einem besonderen Helfer für Flüchtlinge aus diesen Ländern, vor allem aus Syrien, und lange vorher vorher schon aus Bosnien werden lassen. Er unterstützt bis heute Flüchtlingsfamilien und hat neben seinen drei Enkeln auch sechs „Adoptiv“-Enkerl. Wir sprechen über die Tragödie von Hass und Feindschaft, über Flucht und die Unfassbarkeit, dass Österreich und Europa den Flüchtlingen die kalte Schulter zeigt, ihnen Hilfe verweigert.

Das warme Herz und die kalte Schulter

20. August 2020: Mein Gast war die Kirchschlager Pastoralassistentin Magdalena Froschauer-Schwarz. Sie hat in der Wochenendausgabe der OÖN vom 1. August einen Kommentar über „Spielen heilt die Seele“ geschrieben. Sie nimmt dabei den spielerischen Umgang in alltäglichen Situationen in den Blick und rät, „das Kind in mir zu zeigen und zu pflegen, sich spielend auf das Gegenwärtige einzulassen.“ Wasser, Steine, Wiese, Wald, Sterne,  … alles kann uns ins Staunen bringen. Staunen wie ein Kind. Offen sein für das, was mir rundherum offen steht. Magdalena Froschauer-Schwarz hat in der Sendung auch ein paar Lieder gesungen, die sie auf der Gitarre begleitete. Frohsinn-Lieder.
https://cba.fro.at/463612

6. August 2020: Mein Gast war Stefanie Weigerstorfer BA, die Leiterin der Servicestelle Pflegende Angehörige Linz von der Caritas für Betreuung und Pflege. Es war ein Gespräch über Sorgen, Probleme, auch schöne Erfahrungen pflegender Angehöriger und über die Situation der Menschen, die sie pflegen. In Österreich sind – diese Zahlen veröffentlichte die Interessensgemeinschaft pflegender Angehöriger – etwa 950.000 Menschen auf irgendeine Weise in die Pflege und Betreuung einer/eines Angehörigen eingebunden. Den überwiegenden Anteil an diesen Hilfs-, Betreuungs- und Pflegeleistungen erbringen Familienangehörige, knapp dreiviertel von ihnen sind Frauen. – Es gibt eine Menge Gründe hinzuhören, wie es den Pflegenden geht.
https://cba.fro.at/462023

30. Juli 2020: Mein Gast war die Pilgerbegleiterin Christine Dittelbacher. Die Themen der Sendung waren die stärker werdende Pilger-„Bewegung“. Pilgern ist in. Aber was ist Pilgern? Und was steckt hinter dem Boom – welche Erfahrungen, nein „Ergehungen“, machen Pilgernde?  Wir sprachen über Pilgerwege in Österreich und in Europa.
Warum schießen die Pilgerwege geradezu aus dem Boden, aus der Wiese, aus dem Fels? Ist es denn nicht egal, wo man geht, um mit sich ins Schweigen und ins Gespräch zu kommen? Was macht eine Pilgerbegleiterin/ein Pilgerbegleiter? Was unterscheidet pilgern von weitwandern? …
https://cba.fro.at/461236

23. Juli 2020: Mein Gast war Felicitas Zehetner, akademische Gerontologin und ehrenamtliche Obfrau der MAS Alzheimerhilfe (die sie 1997 gegründet hat). Frau Zehetner hat ihren an Alzheimer/Demenz erkrankten Mann zwölf Jahre begleitet. Damals gab es keine Hilfe oder Beratung, die sie so oft herbeigesehnt hatte. Aus dieser Erfahrung gründete sie 1995 die erste Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz und zwei Jahre später die MAS Alzheimerhilfe. Sie ist mehrfach ausgezeichnet, unter anderem bekam sie im Jahr 2000 den Solidaritätspreis der KirchenZeitung. Heute blickt Frau Zehetner auf etwa 25 Jahre Engagement für Alzheimer/Demenz-Erkrankte bzw. deren Angehörige zurück. Sie schöpft aus einem reichen Erfahrungsschatz, von dem viele Betroffene profitieren können. Wir sprachen darüber, wie wichtig eine Diagnose ist und dass die Angehörigen wie die Erkrankten Hilfe in Anspruch nehmen (können). Ein Hilfsangebot sind die Demenz-Servicestellen von MAS und die Paar-Urlaube, die die MAS Alzheimerhilfe organisiert und betreut (https://alzheimer-hilfe.at/). Wir sprachen auch über Erscheinungsbilder von Demenz-Erkrankungen und was Angehörige tun können.
https://cba.fro.at/460654

16. Juli 2020 Mein Gast war Michi Haunold von der Caritas OÖ zum Thema „die Gesichter der Not“. Viele wollen die Gesichter der Not lieber nicht sehen. Michi Haunold von der Caritas – sie leitet dort die Abteilung Beratung und Hilfe – aber meint, es ist wichtig, der Not ins Gesicht zu schauen und sich davon berühren zu lassen.
Jahrelang war Michi Haunold besonders für obdachlose Menschen im Rahmen der Caritas tätig. – Das Gespräch nimmt Menschen am Rand in den Blick, zeigt auf, welche Probleme sie haben und welche Hilfen es gibt. Zur Sprache kommen Armut, Armutsgefährdung, Armutsgründe, Obdachlosigkeit, … und ob bzw. wie die Corona-Krise die Not verschärft hat.

https://cba.fro.at/460310

2. Juli 2020: Mein Gast war Christiane Sauer; sie ist Ansprechperson der unabhängigen Ombudsstelle der Diözese Linz für Menschen, die betroffen sind von Gewalt und sexuellem Missbrauch in Einrichtungen der katholischen Kirche sowie für Angehörige der Missbrauchsopfer. Wir sprachen über die Arbeit der Ombudsstelle, darüber wer die Opfer und wer die Täter sind, wie Täter die Tat anbahnen. Wir kamen auch auf die Folgen für die Opfer zu sprechen und darauf, wie Opfer es erleben, wenn ihnen nicht geglaubt wird oder die Institution, in der sie der Gewalt/dem Missbrauch ausgesetzt waren, versucht, das Geschehene zu vertuschen: Die Opfer erfahren dadurch eine weitere Gewalt.
Die Ombudsstelle der Diözese Linz ist erreichbar unter der Telefonnummer: 0676 8776 5525
https://cba.fro.at/458804

25. Juni 2020: Mein Gast war Willi Molterer, Geschäftsführender Direktor des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI). Mit ihm, dem gebürtigen Steyrer, der schon seit früher Jugend seine oö. Heimat in Sierning hat, sprach ich über den Europäischen Investitionsfonds und die Europäische Investitionsbank, die Bank der EU: Was sind ihre Aufgaben, wie arbeiten EIB und EFSI? Es ging um Europa, um europäischen Zusammenhalt versus nationalstaatliche Eigenwege, um Finanzierungen von großen und kleinen Projekten sowie um die Ziele Nachhaltigkeit und Klimapolitik.
https://cba.fro.at/456648

18. Juni 2020: Mein Gast war Christian Schörkhuber, Geschäftsführer der Volkshilfe Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung. Aus Anlass des „Internationalen Tags der Flüchtlinge“ sprachen wir über Österreichs Asyl-Politik und das Schicksal von Flüchtlingen.
https://cba.fro.at/457331

4. Juni 2020: Mein Gast war Hans Ollmann, GF von Bioschwein Austria, Bad Leonfelden. Er ist von Beginn seines Arbeitslebens mit bio und Bio-Landbau verbunden. Wir sprachen über Lebensmittelkonsum, Fleischverzehr und die Frage bio oder regional.
https://cba.fro.at/453268

28. Mai 2020. Zu Gast bei einem Hirsch mit drei Werkzeugen!
Otto Hirsch – Pfadfinder, der viele Pfade zu Armen gefunden hat – ist mein Gesprächspartner in der Sendung. Nicht er war im Studio zu Gast, ich war Gast im Haus von Otto und Vera Hirsch. –
Hirn, Hand und Herz, das sind – laut seiner eigenen Aussage – die Werkzeuge, mit denen der jetzt 61jährige Linzer Unternehmer Otto Hirsch seit 30 Jahren eine enorme Anzahl von Sozialprojekten in Krisenregionen dieser Welt initiiert, aufgebaut und in gute Hände übergeben hat. So zog er eine Spur der menschlichen Entwüstung von Rumänien über Kroatien, Bosnien, Afghanistan und Kenia nach Griechenland.
https://cba.fro.at/454847

21. Mai 2020. Zu Gast war Martin Kranzl-Greinecker. Er ist seit etwa 20 Jahren ein „Gedenkarbeiter“. So holt er aus der Vergessenheit zum Beispiel das Schicksal von Kindern von Zwangsarbeiterinnen, die in der NS-Zeit in Oberösterreich zur Sklavenarbeit gezwungen wurden. Bekamen sie Kinder, wurden ihnen diese weggenommen – die Mütter mussten gleich wieder arbeiten – die Babys sind in Kinderheime gekommen. Dort kamen viele von ihnen zu Tode; schlecht versorgt und ohne dass sich jemand wirklich um sie gekümmert hätte. Darüber und im besonderen über die „Kinder von Etzelsdorf“ (eine Ortschaft am Rande von Pichl bei Wels) erzählt Martin Kranzl Greinecker in der Sendung. Auch über seine Arbeit im Mauthausen-Komitee und sein Engagement gegen rechtsradikale Positionen, das er schon als Redakteur bei der KirchenZeitung begonnen hat. Eine besondere Achtsamkeit widmet er auch dem KZ-Nebenlager Gunskirchen. Gedenken ist für Martin Kranzl-Greinecker eine wichtige Aufgabe, die auch in die heutige Gesellschaft hineinwirken muss.
https://cba.fro.at/453675

Während der Corona-Krise musste ich fast durchwegs auf Wiederholungen zurückgreifen, im Studio war keine Produktion möglich und auch außerhalb waren erschwerte Bedingungen, Sendungen aufzunehmen.

26. März 2020. Zu Gast ist der Linzer Markus Holzer bei Ernst Gansinger. Das Gespräch dreht sich um Europa. Holzer war 24 Jahre lang in Brüssel tätig, dem Zentrum der EU, und kennt die Europäische Union von der Innensicht eines mitgestaltenden Beamten – zunächst für Österreich, dann für die Europäische Kommission. Die Sendung wurde (coronabedingt) am 30. April wiederholt.
https://cba.fro.at/445274

19. März 2020. Wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Corona-Virus‘ konnte die geplante Sendung nicht ausgestrahlt werden. Daher wiederholten wir die Sendung vom 5. März mit Prim. Kurosch Yazdi
https://cba.fro.at/446184

5. März 2020. Gast: Prim. Dr. Kurosch Yazdi, Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin, Kepler Universitätsklinikum
https://cba.fro.at/445274

27. Februar 2020. Gäste: Gerda Mühlegger und Adelheid Wolf von EXIT-sozial, Thema: Hilfe bei psychischer Not. Die Sendung wurde am 23. April wiederholt.
https://cba.fro.at/444742

20. Februar 2020. Gäste: Werner und Gerlinde Rohrhofer,
Satirisches zum Faschings-Höhepunkt
https://cba.fro.at/443721

6. Februar 2020. Gast: Primar und Leiter des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie  Johannes Fellinger. Die Sendung wurde am 16. April wiederholt.
https://cba.fro.at/441973

16. Jänner 2020. Gäste: Schauspielerin Bettina Buchholz und Regisseur Johannes Neuhauser über Etty Hillesum, Harry Merl, Jehuda Bacon und ihre anderen Theater-Projekte
https://cba.fro.at/442065

19. Dezember 2019. Gast: Silvia Breitwieser, Telefonseelsorge
https://cba.fro.at/442245

Es ist Zeit, laut zu sein

Schreiben an Innenminister Nehammer (und etwas abgeändert an Außenminister Schallenberg), 29. September
Anfrage eines aufgebrachten Bürgers an den Innenminister!
Ich bin sprachlos über den Inhalt des Berichts im heutigen Mittagsjournal (und anderer Medien) und erwarte, dass Sie, Herr Innenminister eine „Sofort“-Sprache gegenüber der österreichischen Bevölkerung finden, dieses Übel aufzuklären. Sofort waren die Kameras dabei, als Sie Mitte September höchstpersönlich einen Hilfstransport nach Athen brachten. Wo sind Ihre „Sofort“-Aktionen jetzt? Was verstehen Sie unter „sofort“ in Zusammenhang von Soforthilfe? Da frage ich noch gar nicht, was die türkisen Regierungsmitglieder – und damit auch Sie – unter „Hilfe“ verstehen, wenn sie kategorisch eine Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Lager Moria in Österreich ablehnen.
Die Meldung im Mittagsjournal:
Österreichische Hilfslieferung noch nicht auf Lesbos
Zwar hat Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) vor knapp zwei Wochen die Hilfslieferungen für Geflüchtete aus dem abgebrannten Camp Moria auf Lesbos persönlich in die griechische Hauptstadt Athen begleitet. Auf der Insel sind die 55 Tonnen Hilfsgüter, darunter 400 Familienzelte, aber noch nicht angekommen, berichtete das Ö1-Mittagsjournal heute. Das Rote Kreuz kritisierte indes die prekären Zustände in dem neu aufgebauten Lager auf der Ägäis-Insel.
Als eines der ersten Länder sagte Österreich nach dem verheerenden Brand in Moria, durch den rund 13.000 Menschen temporär obdachlos wurden, Hilfe zu. Die österreichischen Güter seien ebenso wie Hilfslieferungen anderer Staaten bis dato eingelagert, berichtete die österreichische Botschafterin in Athen, Hermine Poppeller, gegenüber Ö1.
Ernst Gansinger, fassungslos über diese Politik!

Mein Facebook-Eintrag vom 22. September 2020
Ich kann nicht mehr schweigen, die Not der Menschen auf der Flucht berührt mich. Dringend braucht es eine Politik, die empathisch wahrnimmt und reagiert auf die Tragödien, in die Krieg und Terror, Katastrophen und weltweit versagte Solidarität Menschen treiben. Ich verstehe schon, dass wir nicht aller armen Welt zuwinken können: komm! Aber jenen muss Europa (und damit auch Österreich) die Hand reichen, die unter miserablen Bedingungen auf der Flucht feststecken oder in großer Gefahr sind, noch dazu, wenn sie krank oder Kinder oder sonst hilfsbedürftig sind. So denke ich aus meinem Verständnis von „christlich“ oder „christlich-sozial“. Das ist agieren als Feuerwehr, aber nicht vorgehen gegen die Brandstifter sowie helfen vor Ort. Das wäre natürlich überdringlich notwendig! Man hört das Bekenntnis zu dieser Überdringlichkeit auch immer wieder aus dem Mund verantwortlicher Politiker. Aber seit Jahrzehnten sind dies kaum mehr als Wortspenden, nie folgen ernsthafte Konsequenzen. Dass es das bessere Konzept ist, vor Ort zu helfen, wird kaum jemand bestreiten. Aber dieses Konzept schafft die Pflicht, auch Feuerwehr zu sein, nicht ab. Wir (Österreich, Europa, die reichen Länder) müssen ohne lange und Tod bringende Diskussionen denen helfen, die auf der Flucht sind. Zum Helfen vor Ort hat Österreich schon unendlich viel Zeit verschwendet. Allein zum Thema Anteil der Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit am BIP ist seit Jahrzehnten Österreich schändlich viel schuldig geblieben.
Zum Christlichen (ich bin ja bekennender Christ und bekennendes Mitglied der katholischen Kirche): Ich kann nicht glaubwürdig Weihnachten, Ostern und Pfingsten feiern und mich vom Weg Jesu berühren lassen, ohne diese Rührung auf meine Beziehung zu den Mitmenschen heute zu übertragen: Viele von ihnen finden wie die hl. Familie keine Herberge, viele sind wie Josef, Maria und Jesus auf der Flucht, sind wie sie gezwungen, in fremdes Land zu gehen, um zu überleben. Viele von ihnen werden verfolgt und wie Jesus am Ölberg unbarmherzig allein gelassen. Viele von ihnen sorgen für ein Sprachengewirr, aber die Sprache der Versöhnung und Liebe verstehen sie, wie einst die vielen Menschen anderer Sprache, die zu Pfingsten die Apostel gehört und verstanden haben. Das alles loben Christen ganz selbstverständlich, denken aber nicht daran, dass das für heute auch Konsequenzen hätte! Ich bin insgesamt also auch enttäuscht von der Laschheit vieler KirchgeherInnen und Christen.

Mein Facebook-Eintrag vom 11. September 2020
„Auch Gleichgültigkeit ist eine Aggressionsform“, sagt Eugen Drewermann im Gespräch mit Jörg Dieter Kogel, das im Herder-Buch „Gestalten des Bösen“ in schriftlicher Form zugängig gemacht worden ist. Es ist 2018 erschienen. In dem Buch geht es um den „Teufel – ein theologisches Relikt“, das insgesamt empfehlenswert ist. Ich greife daraus eine – nicht so sehr theologische, denn humanitäre – Passage auf und lege sie allen als Denkanstoß ans Herz, die meinen in der Asylfrage, insbesondere nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria, hart sein zu müssen. – Drewermann führt, unmittelbar bevor er den Satz sagt „Auch Gleichgültigkeit ist eine Aggressionsform“, zum Thema ‚Umgang mit Flüchtlingen‘ (fernhalten von Europa) aus: „Wir sind gerade dabei, mit Diktaturen zu verhandeln, dass am besten doch die Leute bleiben, wo sie sind; auf gar keinen Fall dürfen sie ‚Schleusern‘ in die Hände fallen; Schleuser sind Verbrecher. Aber was sind dann wir, wenn wir Flüchtlinge zu Tausenden im Mittelmeer ertrinken lassen?“
Noch einmal das Eingangszitat von Drewermann: „Auch Gleichgültigkeit ist eine Aggressionsform!“
Drewermann (wieder aus „Gestalten des Bösen“). Und denken wir bei Drewermanns Mahnung an die Haltung der Europäer, besonders auch des österreichischen türkisen Regierungsteams, in Bezug auf Asylsuchende, aktuell die Flüchtlige in Moria:
„Das Brutale, alltäglich Böse liegt darin, dass wir mit Menschen umgehen wie mit Zahlenspielen, wie mit Nummern, nicht wie mit Menschen, wie mit Rechenoperationen, nicht wie mit Schicksalen. …“

Mein Facebook-Eintrag vom 10. September 2020
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Mein Facebook-Eintrag vom 9. September 2020
Skandal, was türkis sagt und was es verweigert: Aufnahme in Österreich von Geflüchteten, die in Moria unter schlimmsten Umständen leben. Aber noch schlimmer, wie der Innenminister das argumentiert: er will keine gewaltbereiten Flüchtlinge nach Österreich lassen. – Als ob dort viele Asylsuchende gewaltbereit wären. – Es ist höchste Zeit, dass die Menschen die christlich ticken, endlich den Türkisen zu verstehen geben: euer Zynismus reicht uns, von uns bekommt ihr keine Stimme mehr!

Mein Facebook-Eintrag vom 24. August 2018
Ich schreibe ganz selten auf Facebook. Doch nun muss ich mich zu Wort melden: ich bin zutiefst erschüttert und schäme mich für die Aussagen und die Politik unserer politischen Verantwortlichen, mit denen sie gegen Hilfe für Flüchtlinge mobil machen. Keine Schiffe in EU-Ländern anlegen lassen zu wollen, ist der Gipfel dieser zutiefst unchristlichen und unmenschlichen Politik. Ich rufe alle, die sich als Humanisten oder/und Christen empfinden, auf, gegen diesen Wahnsinn auf die Barrikaden zu steigen. Meine Stimme werden diese angeblich christlichen Politiker/innen sicher nicht (mehr) bekommen, solange sie nicht zurückkehren zu einer christlichen Politik!!! Haben wir denn eine andere Möglichkeit, gegen diesen Wahnsinn aufzustehen, als von unserer Weigerung zu erzählen, Euch, ihr Politiker/innen der Kälte gegen Menschen, zu wählen? Und eine Ergänzung vom 25. August 2018 Mich treibt die Frage um, was dagegen zu tun ist. – Parteien können da zu wenig ausrichten, fürchte ich. Ich versuche seit einigen Jahren, in verschiedenen Stammtischen die Stimme zu erheben. Jede/r von uns müsste an den vielen kleinen Orten, den Mut zur Gegenrede aufbringen. Das Tragische ist, viele ticken, wie es die Politik umsetzt. Ob’s die Kirche sein kann, ohne nicht-kirchlich Engagierte und ob der Stimmung im Land Entsetzte draußen zu lassen? Zumindest wünsche ich mir eine viel lautere Kirche. Nicht nur oben müsste sie laut sein, nicht nur der Kardinal und der Caritas-Präsident, nicht nur die Bischöfe und die anderen diözesanen Verantwortlichen müssten endlich dauerschreien. Jeden Pfarrgemeinderat, jede Gottesdienstgemeinde müsste es umtreiben und unruhig sein lassen, jede Bibelrunde, jeden Gebetskreis. Wenn der Gottesdienst mit dem Schuldbekenntnis beginnt, müssten wir immer wieder ein Schuldbekenntnis gegenüber den Menschen, die Hilfe suchen, sprechen. Wenn wir im Kyrie das Erbarmen erbitten, müssten wir bekennen, dass wir eine erbärmliche Gleichgültigkeit zulassen. Wenn wir Fürbitten formulieren, müssten wir nicht Gott meinen, er soll bitte was richten, sondern uns in die Pflicht nehmen

Buch mit Themen, die mich 2016 beschäftigten und weiterwirken

 

 

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Ich lade Sie / Euch ein, mir Gedanken zu den Texten im Buch (Zitate daraus siehe weiter unten) zu schreiben: ernst.gansinger@gmail.com

 

Ernster Adventkalender 2019

Bis Weihnachten veröffentliche ich auch auf meiner Webseite meine täglichen „Adventtürchen“. Ich verbinde damit den Wunsch, dass Du Dich in den kommenden 24 Tagen nicht – fortlaufend – schleunigen musst, sondern – in Dir bleibend – entschleunigen kannst!

 

17. Türchen, 17. Dezember
Stille. In der Stille kann der Mensch zu sich kommen, in der Einsamkeit droht er, sich zu verlieren.

16. Türchen, 16. Dezember
Gold. Deuten ist Silber, Verstehen ist Gold. Liebende Menschen sind Goldschmiede.

15. Türchen, 15. Dezember, 3. Adventsonntag, Sonntag Gaudete: Freut Euch!
Freude. Zum Großmut kommt die Freude gerne auf Besuch, um die Gier macht sie einen Bogen.

Und ein Extratürchen für  KirchgängerInnen:
Frohe Botschaft. Schaut in unsere Gottesdienste! – Wie froh muss eine Botschaft eigentlich sein, damit wir unsere Freude auch zeigen?

14. Türchen, 14. Dezember
Vernunftbegabt. Menschen verstehen viel, doch wenige. – Denn e t w a s  zu verstehen, ist eine Frage des Verstandes; j e m a n d e n  zu verstehen, eine des Gefühls. – Vielleicht aber wären viele auch gefühlbegabt. Doch ihre Begabung wird kaum gefördert.

13. Türchen, 13. Dezember, Namenstag von Luzia „die Leuchtende“
Beleuchten. Die meisten Scheinwerfer der öffentlichen Aufmerksamkeit leuchten das Schlimme aus. Für das Gute stehen nur wenig Scheinwerfer zur Verfügung.

12 Türchen, 12. Dezember
Ansehen. Der Vollmundige will, indem er spricht, Ansehen erlangen. Der Vollohrige gibt, indem er zuhört, anderen Ansehen.

11 Türchen, 11. Dezember
Kostbar. Greifbar, vorstellbar, absetzbar … machbar also. – Kostbares aber ist nicht machbar. Das macht es so kostbar.

10. Türchen, 10. Dezember, Tag der Menschenrechte
Recht geschehen. Wenn Menschen recht geschieht, geschieht ihnen oft nicht Recht.
9. Türchen, 9. Dezember
Klima-Bedrohung. Es ist bekannt: Fernreisen bedrohen das Klima. Es wird aber nur wenig bedacht: viele Nahreisen vergiften es – die Nahreisen verächtlicher Worte.

8. Türchen, 8. Dezember, Marien-Feiertag
Entriegeln. Mit jedem Riegel, den wir zwischen uns abreißen, kann der Himmel näher kommen.

7. Türchen, 7. Dezember
Gut aufgestellt. „Wir sind gut aufgestellt!“ – Das können wir oft hören. – „Wir stellen uns gut an!“ – Haben wir das schon einmal gehört?

6. Türchen, 6. Dezember, Nikolo-Tag
Wandlung. Liebe wandelt trennendes Anderes in ergänzendes Besonderes.

5. Türchen, 5. Dezember
Schweigen. In der lärmend banalen Aufgeregtheit fällt das Schweigen über erschütternd Aufregendes nicht auf.

4. Türchen, 4. Dezember, Tag der hl. Barbara (mit dem Brauch der Barbarazweige)
Blühen. Zum Aufblühen braucht es das Licht des Zutrauens.

3. Türchen, 3. Dezember
Eingepanzert Wer könnte mich wärmen, wenn ich mir einen Panzer angelegt habe?
2. Türchen, 2. Dezember
Gleichgewicht. Wenn Menschen immer hinunter schlucken, was sie belastet, stopfen sie in sich hinein, bis sie übergewichtig das Gleichgewicht verlieren.
1. Türchen, 1. Adventsonntag, 1. Dezember
Anlachen. Der eilige Mensch hat keine Zeit; so viele Ziele lachen ihn an. Der Voreilige hat gar keine Zeit; so viele Ziele könnten ihn anlachen. Die Weilige hat Zeit – zum Anlachen.

 

Rettendes zu Weihnachten (2018)

Der Retter ist geboren!
Seine Schwäche feiern wir:
Eine mieselsüchtige Unterkunft –
ein ordentliches Quartier gibt es nicht für ihn –
kaum jemand nimmt Notiz,
es sind nur Hirten – Randexistenzen der Gesellschaft –
die Zentraleminenzen kommen viel später.

Noch heute ist er in mieselsüchtiger Umgebung.
Quartier bekommt er oft nur bei Menschen in Not.
Die flunkernde Welt nimmt wenig Notiz von ihm.
Wer Stärke sucht,
den irritiert Schwäche.
Im Zentrum ist die Irritation gering,
man sieht ja die Ränder nicht.

Gott ohne Macht, das ist eine Kern-Botschaft –
weit über Weihnachten hinaus. –
Sie birgt den Keim radikaler Veränderung,
gibt den Schwachen Würde, hebt sie über die Eminenzen.
Das Heilende braucht nicht Stärke.
Wir müssen uns nicht retten,
wir müssen nur Gott in uns retten.

Dazu ein paar Zeilen des Sonntagmorgengebetes (12. Juli 1942) aus dem Tagebuch von Etty Hillesum:

Es sind schlimme Zeiten, mein Gott.
Ich verspreche dir etwas, Gott, nur eine Kleinigkeit: Ich will meine Sorgen um die Zukunft nicht als beschwerende Gewichte an den jeweiligen Tag hängen, aber dazu braucht man eine gewisse Übung. Jeder Tag ist für sich selbst genug. Ich will dir helfen, Gott, dass du mich nicht verlässt, aber ich kann mich von vornherein für nichts verbürgen. Nur dies eine wird mir immer deutlicher: dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns letzten Endes selbst …
dass wir dir helfen müssen und deinen Wohnsitz in unserem Inneren bis zum Letzten verteidigen müssen …

In diesem Sinn wünsche ich uns allen eine rettende Gesinnung – zu Weihnachten und für die kommende Zeit!
Ernst Gansinger

 

Ernster Adventkalender 2018

Auch im heurigen Advent öffne ich hier täglich ein Text-Türchen –
knappe adventliche Anstö
ße

23. und letztes Türchen, Hl. Abend, 24. Dezember
Berührt unberührt. Alle Jahre berührt uns der armselig Mensch-Gewordene, das Kind in der Krippe. Und dann? – Streben wir weiter nach einem reichseligen Leben.

22. Türchen, 4. Adventsonntag, 23. Dezember
Leben in Fülle. Menschen sehnen sich nach einem Leben in Fülle und füllen das Leben mit tausend Dingen an, sodass die Fülle keinen Platz mehr hat.

21. Türchen, 22. Dezember
Leisten. Die reiche Gesellschaft leistet sich viel – sogar die Armut in ihr.

20. Türchen, 21. Dezember, Winterbeginn
Gehen. „Wie geht‘s dir denn?“ und „Ich muss wieder gehen!“ – Die Frage am Beginn einer Begegnung und der oft bald darauf folgende Hinweis, das Gespräch wieder beenden zu müssen, tragen den gleichen Schuh. Es ist ein Laufschuh.

19. Türchen, 20. Dezember
(V)erinnern. Wenn sich das Gedächtnis an ein gutes Gespräch längst nicht mehr gut erinnert, hat es das Gefühl gut verinnert.

18. Türchen, 19. Dezember
Zu. Vielen fällt es leichter zu schauen, als zu hören. Das gilt besonders, wenn sich das Schauen und das Hören an das Wort „zu“ anhängenzuschauen, zuhören.

17. Türchen, 18. Dezember
Teilen. Würde alles geredet, was auf elektronischem Weg mitgeteilt und geteilt wird, wäre auf dieser unendlich geteilten Welt ein ungeteilter Höllenlärm.

16. Türchen, 17. Dezember
Wüste. Manche Menschen führen ein tristes Wüstenleben. Sie sind Verirrte in  einer seelischen Wüste. – Fallen die Rufe aus der Oase vernehmbar aus?

15. Türchen, 3. Adventsonntag, Sonntag Gaudete „Freuet Euch!“, 16. Dezember
Freude. Die Freude kennt keinen Geiz; sie wächst an der Mitfreude anderer.

14. Türchen, 15. Dezember
Pferd oder Mut.Wer die Wahrheit sagen will, braucht ein schnelles Pferd!“ – So weiß es ein mongolisches Sprichwort. – Es ginge aber auch ohne Pferd: mit Mut!

 

13. Türchen, 14. Dezember
Lauter. Ein lauter Mensch kann sich Sprachbreschen schlagen. Ein lauterer Mensch springt in die Bresche, wenn diese in die Mauer des Anstands geschlagen ist.

12. Türchen, 13. Dezember, Luzia
Scheinwerfer. Wer auf andere den Scheinwerfer richtet, ist im blendenden Versteck, aus dem sich leicht richten lässt.

11. Türchen, 12. Dezember
Zeihen. Sind wir nicht oft wie Windhunde beim Zeihen und lahme Enten im Verzeihen?

10. Türchen, 11. Dezember
Zustehen. Was mir zusteht, ist nicht so bedeutend. Wozu ich stehe, ist bedeutender. Noch viel wichtiger ist, dass jemand zu mir steht.

9. Türchen, 10. Dezember, Tag der Menschenrechte
Schwäche. Es braucht auch ein Menschenrecht auf Schwäche. 

8. Türchen, 2. Adventsonntag, 9. Dezember
Verstanden sein. Verstanden wird man nicht mit dem Verstand.

7. Türchen, 8. Dezember, Marien-Feiertag, für viele der Einkaufstag
Einkauf. Es heißt einkaufen, aber viele haben es zum Hundertkaufen entwickelt.

6. Türchen, 7. Dezember
Ruhe.  Wir wollen in Ruhe gelassen werden, und bedenken nicht, dass wir gar nicht in Ruhe sind.

5. Türchen, 6. Dezember, Nikolo
Schenken. Mit jedem Geschenk erzählen wir viel über uns.

4. Türchen, 5. Dezember
Zeit haben. Kann es sein, dass viele deswegen so wenig Zeit haben, weil sie diese totgeschlagen haben?

3. Türchen, 4. Dezember, Barbara
Wärme. Wir schenken kahlen Zweigen Wärme, weil wir wissen, dass sie dadurch aufblühen können. – Das kann auch bei Menschen funktionieren!

2. Türchen, 3. Dezember
Aufhören. Wenn wir aufhören, aufeinander zu hören, hört sich alles auf.

1. Türchen, 2. Dezember, 1. Adventsonntag
Warten. Das Warten ist reich. Es hat zum Beispiel eine Bank, einen Saal, ein Häuschen, sogar eine eigene Zeit. Doch nicht viele lockt dieser Reichtum.

 

Ernster Adventkalender 2017

Auch im heurigen Advent öffne ich hier täglich ein Text-Türchen –
knappe adventliche Anstö
ße

22. Türchen, 24.12., 4. Adventsonntag, der zum Heiligen Abend wird
Heilen. Ein wehrloses Kind soll der Welt Heil bringen? – Die streitbaren Großen haben schon tausendfach Unheil gebracht!
21. Türchen, 23. 12.
Schenken. Je mehr sich ein Mensch selbst heraushält, desto eher stopft er das entstehende Loch mit Geschenken.
20. Türchen, 22. 12.
Türme.
Wir kennen Aussichtstürme, aber keinen einzigen Einsichtsturm.
19. Türchen, 21. 12., Winterbeginn
Solidarität. Solidarität ist Glühwein bei sozialem Frost.
 
18. Türchen, 20. 12.
Warten. Warten ist wortverwandt mit der Warte, dem Ausguck. Mit Einguck – der Schau nach innen – ist „warten“ nicht verwandt.
17. Türchen, 19. 12.
Nicht fürchten. Die Menschenkennerin Bibel ermutigt 366 mal: fürchte dich nicht! – Furcht kapselt das Vertraute ein, Vertrauen ermöglicht Neuem, vertraut zu werden. 

16. Türchen, 18. 12.
Ziele. Überall kommen wir hin, nur kaum noch zu uns.

15. Türchen, 17. 12., 3. Adventsonntag
Stille. Zwischenmenschliche Funkstille taucht im Lärm der stillsten Zeit unter.

14. Türchen, 16. 12.
Geben. Vorgeben fällt leichter als nachgeben.

13. Türchen, 15. 12.
Schweigen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. – Geht es um Mut, haben wir uns schon eine Schatzkammer erschwiegen.

12. Türchen, 14. 12.
Vollmundig. Mit vollem Mund spricht man nicht, sagt der gute Ton. Vollmundigen aber geht es um den lauten Ton.

11. Türchen, 13. 12., Gedenktag der hl. Luzia
Licht. Die Lichtflut erhellt die Auslagen, aber nicht unsere Innenlagen.

10. Türchen, 12. 12.
Schein. Hinter dem grellen Licht des Scheinbaren ist das Unscheinbare verborgen.

9. Türchen, 11. 12.
Hetzen. Es wird so viel gehetzt. Selbst auf Weihnachten zu hetzen Menschen – und vergehen sich so am Fest.

8. Türchen, 10. 12., 2. Adventsonntag
Umkehr. Zum Umkehren müssen wir vom Gas steigen.

7. Türchen, 9. 12., am Vorabend des Tages der Menschenrechte
Aufreißen und dicht machen. O Heiland, reiß die Himmel auf; auf Erden machen wir dann dicht. Reiß ab, wo Schloss und Riegel für; und Zäune hier errichten wir.

6. Türchen, 8. 12., Feiertag, den viele als Einkaufstag nutzen
Konsequenz. Der Wein aus Südafrika, die Äpfel aus Chile, die Schuhe aus China … der Jammer aus der Region.

5. Türchen, 7. 12.
Miteinander. Jeder und jede ist anders. – Es könnte ein gutes miteinanderes Leben sein.

4. Türchen, 6. 12., Nikolo-Tag
Verschenken. Mancher meint, er hätte nichts zu verschenken. – Nicht einmal Aufmerksamkeit?

3. Türchen, 5. 12.
Dahinter. Hinter den Zäunen und Mauern taumelt das Glück der Abgeschiedenheit leicht ins Unglück der Einsamkeit.

2. Türchen, 4. 12., Tag der hl. Barbara, die – so die Legende – einen verdorrten Zweig wieder blühen ließ..
Aufblühen. Zuwendung ist der Dung, der Menschen zum Blühen bringt.

1. Türchen, 3. 12., 1. Adventsonntag
Erwarten. Menschen erwarten viel und können’s nicht erwarten.

 

Weihnachten 2016

Der Zwiespalt von Weihachten

Glaubende rühmen Gott, der sich klein und schwach macht,
und wollen selber groß und stark sein.

Glaubende besingen die stille, ruhige Nacht
und bleiben in der Lärmwelt, hetzen bis zum Schluss.

Glaubende loben die Hirten, die sich als erste auf den Weg machen,
und bleiben in ihren Schutzräumen.

Glaubende sind ergriffen von der Ermunterung „fürchtet euch nicht“
und werden immer ängstlicher zu verlieren.

Glaubende hören von den Engeln
und erkennen sie mitten unter ihnen nicht.

Glaubende feiern die Menschwerdung
und leben sie nicht.

Ich wünsche Euch eine glaubensstarke Weihnachtszeit: Mut zur Kleinheit und zur Schwäche, Gelassenheit und Ruhe, ein Herz zum Verlassen der Schutzräume, weniger Angst, den Sinn für Engeln mitten unter uns und den Mut zum Leben und Lieben, zur Menschwerdung.

Ernst

Ernster Adventkalender 2016

Im Advent öffne ich hier jeden Tag ein Text-Türchen: knappe adventliche Anstöße

28. und letztes Türchen, Samstag, 24. Dezember
Aufbrechen.  Fürchtet euch nicht! – Diese Engelsbotschaft kann uns allen Mut machen aufzubrechen … unseren Panzer aufzubrechen.
27. Türchen, Freitag, 23. Dezember
Putzen. Christbäume werden aufgeputzt, die Wohnungen geputzt, Menschen putzen sich heraus. – Dass wir  uns nicht am Eigentlichen vorbeiputzen!

26. Türchen, Donnerstag, 22. Dezember
Zuwendung.  Ganz oben auf der Zuwendungs-Leiter: ich bin bei dir!  Darunter: ich schreib Dir. Dann: ich ruf Dich an. Und zuletzt: ich denk an Dich. – Zuwendung ist keine Denkaufgabe. Viele aber müssen sie sich denken.

25. Türchen, Mittwoch, 21. 12., Namenstag des „ungläubigen“ Thomas (vor der Liturgiereform, dann wurde es der 3. Juli)
Zweifel.  Die Ungläubigkeit der Zweifelnden regt an; die Gläubigkeit der Zweifellosen regt auf; sie sind Ich-Glaubende.

24. Türchen, Dienstag, 20. 12.
Verlassen.  „Darauf kann ich mich verlassen, dass ich am Heiligen Abend verlassen bin“, klagt ein einsamer Mensch. – Es ist die Verlassenschaft einer ausgelassenen Gesellschaft, die sich auf nichts einlässt.

23. Türchen, Montag, 19. 12.
Konsum. In der Konsum-Gesellschaft ist Konsum-Enthaltung verpönt … außer man konsumiert Enthaltung.

22. Türchen, Sonntag, 18. 12., 4. Adventsonntag
Munden.  Was uns schmeckt, mundet uns. Es ist seltsam: Für den Gefallen des Ohrs und des Auges gibt es kein ähnlich abgeleitetes Wort: Nichts ohrt uns, nichts augt uns. – Es käm‘ doch so vieles dafür in Frage!

 21- Türchen, Samstag, 17. Dezember 
Sehen.  Das Fernsehen hat dem Nahsehen das Nachsehen gegeben. Gesehen wird, was fern ist. Der ganzen Welt rücken wir nahe, nur nicht der nahen.
 20. Türchen, Freitag, 16. Dezember

Hören. Wem gehörst du denn? – So werden kleine Kinder gefragt. – Es heißt: Auf wen hörst du, wem vertraust du? Kinder wissen darauf eine Antwort. Und Erwachsene?

 

19. Türchen, Donnerstag, 15. 12.
Wie geht’s dir denn? Die Frage ist schnell gestellt. Eine Antwort zu erwarten ­- dafür fehlt oft die Zeit. Uns geht’s nicht mehr, uns eilt’s.

18. Türchen, Mittwoch, 14. 12.
Keine Zeit. Das Viele aufzählend, was er noch alles tun muss,  entschuldigt ein Mensch, keine Zeit zu haben. – Woher nimmt er eigentlich die Zeit für das Viele?
 17. Türchen, Dienstag, 13. 12., Luzia
Licht. Wer ins Licht schaut, sieht nicht dahinter. – Tausende Lichter, mit denen wir den äußeren Advent schmücken, schirmen manch dunklen inneren Advent ab.

16. Türchen, Montag, 12. 12.

Advent. Es ist immer weniger Advent und immer mehr Event.
15. Türchen, So, 11. 12., 3. Adventsonntag, Sonntag Gaudete – freut euch!
Freude. An der Lärmwand der Gaudi scheuert sich die Freude wund.
14. Türchen, Samstag, 10. 12., Tag der Menschenrechte, Advent-Halbzeit
Recht.  Weit hat es das Recht gebracht: Mir ist alles recht, sagt einer, und meint, es sei ihm egal.

13. Türchen, Freitag, 9. 12.
Kosten.  Menschen stürzen sich in hohe Kosten, um das Leben zu kosten. Doch kosten und Kosten stehen in keiner Beziehung.  Ein Verwandter von „kosten“ hingegen ist der Gusto. Lebensappetit ist nicht kaufbar, aber kostbar.

12. Türchen, Donnerstag, 8. 12.,Feiertag, für viele ein Einkaufstag
Kaufen.  Der Gabentisch am Heiligen Abend wird vielfach zum Tisch der Verausgabung.

11. Türchen, Mittwoch, 7. 12.
Takt.  Zum Walzertanzen braucht es Takt, sagte Van der Bellen in einer ersten Rede zu seinen Vorhaben als Bundespräsident. Zu ergänzen wäre: es braucht im ganzen Stammtisch-Land Taktschulen.

10. Türchen, Dienstag, 6. 12. 2016, Nikolotag
Schenken.  Was haben wir aus dem Schenken gemacht! – „Geschenkt!“ meint: ist nicht der Rede wert. „Das schenk ich mir“ bedeutet: das mach ich nicht. Einem wird nichts geschenkt außer Härte und einem anderen wird kräftig eingeschenkt.

9. Türchen, Montag, 5. 12. 2016
Erwarten.  Wir erwarten uns so viel und können es kaum erwarten.

8. Türchen, 2. Adventsonntag, Barbara, Tag der BP-Wahl, 4.12.
Stimmen. Wenn wir die Stimme gegen Unstimmiges nicht erheben, schaffen wir eine verstimmte Gesellschaft.

7. Türchen, Samstag, 3.12.
Kleinlaut.
 Kleinlaut wünsche ich uns mehr Kleinlaute! Während sie sich verhalten ausdrücken, sind Großmäuler anhaltend von sich beeindruckt.

6. Türchen, Freitag, 2.12.
Mut.
 Du brauchst mehr Mut,  spottete der Hochmut  über den Kleinmut.
Der nahm allen Unmut zusammen und sagte: Ja, Demut!
 

5. Türchen, Donnerstag, 1.12.
Verloren. Hier irrt die Sprache: „in Gedanken verloren“.  – Man findet sich in Gedanken. Ich wünsch uns eine große „Gedanken-Verlorenheit“.

4. Türchen, Mittwoch, 30. 11.
Besuch. Ich habe mich besucht. Ich habe Zeit mit mir verbracht.

3. Türchen, Dienstag, 29. 11
Stillen. Menschen wollen ihre Sehnsüchte stillen, machen aber das Gegenteil: sie lärmen sie.

2. Türchen, Montag, 28. 11.
Worte.  Der Mensch möchte beantwortet sein, wird aber bewortet.

1. Türchen, Erster Adventsonntag, 27. 11. 2016
Adventalarm. Lärm und Alarm  haben gemeinsame italienische Urgroßeltern: „alle arme!“ (zu den Waffen!) – Im Advent lärmt die Geldwaffe besonders.

 

Zitate aus den Texten des Buches
„Das Zeitliche segnen“               

Der fehlende Selbstzweifel in „Zweifellos“
„Der Mensch neigt dazu, sich als Maß zu nehmen, seinen Horizont als den für alle gewünschten Horizont zu erkennen. An diesem Maß und von diesem Horizont her wird die Welt gedeutet und verstanden: Meins ist richtig, Deins nur dann, wenn es ist wie meins. Es ist eine einfache Schnur, die durch das Leben führt. Ein Absperrband, das meinen Denkbezirk frei hält von Denkeintritten aus den umliegenden Bezirken.“

Tierliebe in „Der Hund des Königs“
“ Im Schreiben wurde mir immer deutlicher bewusst, wie groß das Vorbild Tier für den großen Mangel unserer Zeit sein kann: Beziehung.“

 Nicht heraushalten! in „Den Worten nachgehen“
„Ich verstehe für mich: Christsein ist unmöglich im unschuldigen Raum möglich. Es fordert mich mitunter auf, „schuldig“ zu werden.“

Die Haltung den Flüchtlingen gegenüber in „Der Fremde, ein Feind“
„Wie ein Wort – ‚Willkommen!‘ – so in Verruf kommen, so unwillkommen werden kann! Noch dazu ein Wort, das einen Wert vorstellt, von dem man sich verabschieden will, ohne ihn je wirklich als Gesamtgesellschaft praktiziert zu haben! Nun aber ist der Wert in Grund und Boden gestampft. Fortan soll es keine Kultur mehr sein, Fremde willkommen zu heißen. In uns stecken halt doch ein Indogermane und das Altertum, steckt das Gefühl, das Griechen und Römer in ein gemeinsames Wort für Gast und Feind gossen. Eben noch Gast, dann Feind, oder auch umgekehrt.“

Zuschauen und Alles-Kommentieren in „Teilnehmen statt Anteil nehmen“
„Die zur Teilnahme-Gesellschaft gewordene Medien-Muppet-Show hat die Anteilnahme verlernt. Vom Balkon der Heraushaltung werden Bilder vermeintlicher Ideale hochgehalten. Brot und Spiele verlangen Statler und Waldorf, koste es, was es wolle – bei den anderen … Zur Anteilnahme sind die Menschen am Boulevard der Adabeis nicht mehr fähig. Anteilnahme verkümmert zur bloßen Teilnahme am Marathon der vielen Sensationen oder zu Sensationen aufgemascherlten Ereignissen.“

Der Stammtisch in „Ihr Recht geht vom Volk aus“
„Der Stammtisch ist längst nicht nur ein Tisch, ein Ort, an dem sich die kollektiv am gleichen Meinungsstrang Ziehenden treffen, sich gegenseitig bestätigen, Themen aufschaukeln, Haltungen würdigen oder kreuzigen. Er ist nicht nur ein Tisch, an dem die Tischgesellschaft das Rote Meer der Meinungen teilt – links die guten, rechts die verdammten – und so nasser Zunge durch Vorurteile und Gerüchte in die Wüste unverrückbarer Meinungen eilt. Der Stammtisch ist überall, überall, wo seichtes Wasser ist, das sich leicht aufstauen lässt. Staumaterial liefern Medien vor allem damit, was sie an Fragezeichen zu Rufzeichen verbiegen. Dazu kommen Postings von Mediennutzer/innen, die ihre Rufzeichen zu Pfeilen spitzen, Einträge in social media, Entrüstungen in der Straßenbahn und beim Kaffeekränzchen, Liegewiesen-Welterklärungen und vieles mehr. Stammtisch ist überall dort, wo die „Volksseele“ kocht, alles verkocht, faschiert, filetiert, paniert, erhitzt, gardampft, was ihr gerade unterkommt.“

Der Umgang mit Außenseitern und Gestrandeten in „Der Liegende, an dem vielen nichts liegt“
„Heimat bedeutet: Nicht links liegen gelassen zu werden, eingehängt, gestützt zu sein, von sich reden zu können, von den Wünschen, Ängsten und Hoffnungen, Sinn und Platz zu haben, dazu zu gehören, sich wenigstens ein bisschen auch wohl zu fühlen. Solange diese Welt nicht für alle in diesem Sinn eine Heimat ist – und davon ist sie weit entfernt – solange müssen die Beheimateten unruhig wegen der vielen Heimatlosen sein. Unruhig auch über das Links-liegen-Lassen so vieler Außenseiter.“

Die Gier nach Sensationen in „Hoppala, so viele Superlas“
„Unsere Zeit ist süchtig nach Superlativen. Im weltweiten Surfnetz wird die Sucht optimal bedient. Gewöhnliches wird ins Gewöhnlichste gesteigert. Dann wird es als bestes, größtes, kleinstes, ältestes, jüngstes, häufigstes, seltenstes, schrecklichstes, gefährlichstes, schlimmstes, harmlosestes, dümmstes, g’scheitestes, unsinnigstes, sinnvollstes … Irgendwas der Neugierde präsentiert.“

Die Kälte der Mindestsicherungsdiskussion in „Was braucht der Mensch zum Leben?“
„Wie viel Geld braucht man, um sich durchs Leben schlagen zu können? Das ist eine schwierige Frage. Aber die österreichische Politik hat zumindest eine relative Antwort darauf: ein Flüchtling kommt mit weniger aus als ein Dasiger.“

Die Geschichte als Erinnerungs-Aufgabe in „Zwei sehr unterschiedliche Wahrzeichen“, ein Text zu Zettwing/Cetviny
„Erinnern ist vor allem eine gemeinschaftliche Aufgabe. Aus dem gemeinschaftlichen Erinnern wird das Versöhnen möglich, das weit über das Sich-damit-Abfinden hinausführt. Alle Anstrengung ins Ermöglichen von Erinnern ist ein Geschenk an die Zukunft. Was immer wir an Erinnerung verschlampen, schmälert die Chancen der Nachkommenden für einen versöhnlichen Start in ihre Zeit.“

Flüchtlinge und Kriminalität in „Das Böse ist immer und überall“
„Es gibt von verschiedenen Seiten ein Interesse in diesem Land, ein Bild der Gefährdung, der zunehmenden Gewalt, der sich zuspitzenden Bedrohungssituation zu zeichnen. Um Aufmerksamkeit heischende Massenmedien und rechtspopulistische Politiker sowie Stammtischler, die in der Runde was erzählen wollen, sowie „unsocial“ media user arbeiten an diesem Bild. An einem Bild, das Angst macht und machen soll.“

Feindselige Gesellschaft in „Vier Feind-Seligkeiten“
„Eine vierte Feindseligkeit pflegt der Stammtisch: die Feindseligkeit der Angst, zu kurz zu kommen. Die Feindseligkeit des Neids, der wie ein Fernglas wirkt: Was andere haben oder bekommen, darauf schaut man mit der Vergrößerungs-Optik. Wirft man aber den Blick auf sich, dreht man das Fernglas um und sieht sich ganz winzig. Aus der Optik-Verzerrung modelliert man Behauptungen, die den Zorn im Land verstärken.“

Das Gottesbild des Fürbitt-Betenden in „Muss ich Gott weichklopfen?“
Warum einem Gott einen Platz in mir gestalten, einem Gott der schwach mit mir ist (wie es Etty Hillesum im „Sonntagmorgengebet“ anspricht), einem Gott, der kein Zauberer ist, der mich aus der Bedrängnis rettet? – „Wenn ich gut zuhöre, betend bin, steigt in mir dazu eine Antwort auf: weil ich jemanden brauche, bei dem ich so aufgehoben bin, dass ich verstanden bin, auch wenn ich mich verstelle. Dass ich verstanden bin, auch dort, wo ich mich selbst nicht verstehe. Dass ich verstanden bin mit aller Freude und aller Not, die ich habe. Wo ich ganz ich sein kann, weil es ein riesengroßes Du gibt, ganz in meiner Nähe, in mir, das ich nicht erst lange suchen muss. Und ich darf in ihm sein. Über dieses Ineinander-Sein bin ich verbunden mit allen und allem, die mir am Herzen liegen. Gott in mir und ich in ihm, das stiftet Gemeinschaft. Stärkende Gemeinschaft.“

 

Buch „Das Zeitliche segnen“

Ernst Gansinger, Das Zeitliche segnen. Wahrnehmungen zum Jahr 2016, Eigenverlag, 164 Seiten, Din A5, broschürt,  unv. Preisempfehlung  12,80 EUR, ISBN 978-3-200-04851-5

Die 13 Texte, Reflexionen zum Jahr 2016, befassen sich mit dem Verlust des Selbstzweifels, mit der Tierliebe, dem unbedachten Gebrauch der Worte, der Fremdenfeindlichkeit, der „Balkon-Muppets“- Gesellschaft, dem elitären „demokratischen“ Verständnis, das Menschen mit Beeinträchtigungen vom Wählen ausgrenzen will, dem Vorbeigehen an Gestrandeten, der Kälte der Mindestsicherungsdiskussion, dem Heimatverlust und dem Erinnern, der Kriminalität samt dem Interesse, mit ihr die Angst zu schüren, der Pflege von Feind-Seligkeiten sowie dem Gottesbild hinter dem Beten, insbesondere dem Beten für jemanden.

Ich widme mich zum Beispiel der Asyldiskussion, der Fremdenfeindlichkeit, dem Umgang mit Außenseitern wie Obdachlosen und Bettlern, der Vorurteils-Bereitschaft, der medialen Sensationsgier, setze mich mit einem verbreiteten Beten auseinander und auch mit dem Umgang mit Tieren.

Alltags-Erfahrungen sind der Stoff  des Buches: Szenen vom Stammtisch oder in der Straßenbahn. Das Futter, das Medien in die Welt streuen. Wörter oder Phrasen, die ich im Vorübergehen aufklaube, und die in mir eine Gedankenlawine ins Rutschen bringen. Ereiferung und Gleichgültigkeit, Urteile und Vorurteile, Prahlen und Kuschen.

Leider ist mein Verleger Dietmar Ehrenreich, Resistenz Verlag, kurz vor Umsetzung des Buchprojektes plötzlich gestorben, sodass ich es, wegen der Notwendigkeit, es aus Aktualitätsgründen noch heuer zu publizieren, selbst die Herausgabe übernommen habe.

Buchbestellung: Ernst Gansinger, Baumgarten 61, 4209 Engerwitzdorf;
E-Mail: ernst.gansinger@gmail.com
Homepage: ernstgansinger.info

Buchpräsentation

Am 18. November präsentierte ich in Linz, Altstadt 17, 1. Stock, Mozartsaal, mein neues Buch „Das Zeitliche segnen. Wahrnehmungen zum Jahr 2016“.
Ich habe mich sehr gefreut, dass so viele gekommen sind. Die Veranstaltung war ausgebucht!